| Ich habe jetzt etwas Zeit in alten Aufzeichnungen zu stöbern und etwas „Struktur“ in viele Tausend Dokumente zu bringen, die sich auf meinem PC angesammelt haben. Dabei bin ich auf ein älteres Fragment gestoßen, was ich vor 10 Jahren in der Reha Klinik geschrieben habe. Da der nächste Achtsamkeitsabend das Thema „Stressverstärkende Gedanken“ hat, dachte ich, ich sollte es veröffentlichen, auch wenn es nur ein „Fragment“ ist und noch keine überarbeitete Endform für meine Textsammlung. |
Von kurz nach drei bis sieben
| was mich gestern in den Schlaf quälte |
| und die Nacht davor auch schon. |
| Ich habe mich müde geschlafen |
| die Gedanken sind ausgeruht |
| fesseln mich mit den „warums“. |
| als wenn es mir besser ginge, |
| wenn ich eine Logik sähe. |
| Das Gefecht mit meinem Kopf |
| verliere ich aussichtslos |
| fühle ich auf mich ein-gedroschen. |
| stehe auf, mach Licht, schaffe Luft |
| es gelingt mir kaum eine Atempause |
| und im wieder-nieder-legen |
| beginnt der Kampf mit neuer Kraft |
| Irgendwie verdämmere im Schlaf |
| für 10 Minuten bis sieben |
| dann holt der Wecker mich in den Tag |
| und wieder ist alles wieder da. |
| Alfred, Fragment vom 13. Dezember 2010, Bad Salzuflen |
| Unser Gedankenkarusell kann uns ganz schön zu schaffen machen. |
| In meiner Arbeit mit Gruppen und Klienten und aus eigener Erfahrung kenne ich viele bildhafte Beschreibungen: „ich bin wie in einem Strudel gefangen“, „ich sitze auf einem Kirmes-Karussell, dass sich immer schneller dreht“, „da rast eine Herde Affen durch meinen Kopf“, „100 Ratgeber schreien mich gleichzeitig an“ oder „eine Gewitterwolke mit Blitzen folgt der anderen“. |
| Wie gehen Sie mit dieser Situation um? Gibt es Hoffnung, dass man etwas tun kann? |
| Ja, man kann ausprobieren, experimentieren und üben sich den stressverstärkenden Gedanken mit Achtsamkeit zu nähern. |
| Dazu die Gesundheitswissenschaftlerin und MBSR Lehrerin Dr. Ulla Franken: |
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Wie so viele Redensarten zeigen, entstehen Stress und belastende Gefühle wie Angst, Ärger, depressive Stimmungen zu einem erheblichen Teil im Kopf.
Wie wir Situationen und unsere eigene Fähigkeit, diese zu bewältigen einschätzen, hat großen Einfluss darauf, ob es zu einer Stressreaktion kommt.
Ein wichtiger Beitrag zur Bewältigung besteht darin, unseren eigenen Stress verschärfenden Gedanken auf die Spur zu kommen und sie geduldig immer wieder (wie Wolken am Himmel) ziehen zu lassen, bzw. uns bewusst zu machen, dass unsere Gedanken nichts weiter als Gedanken sind und nicht die Realität.
Mit Hilfe von Achtsamkeit können wir uns im Laufe der Zeit unserer Stress verursachenden und Stress verschärfenden Gedanken sowie der dahinter verborgenen, tief in unserer emotionalen Geschichte verwurzelten Bewertungsmuster mehr und mehr bewusst werden.
Die geduldige Übung unterstützt uns darin, uns von der Macht unserer Gedanken/Muster und der Identifikation mit diesen zu lösen, um uns nicht mehr so schnell und automatisch im Netz unserer Assoziationen zu verfangen. |
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| „Im Laufe der Zeit“ und „geduldig“ sind hier Schlüsselworte. Achtsamkeit ist keine Pille, die sofort Linderung verspricht. Es braucht Übung und Ausdauer und auf jeden Fall einen Anfang. |
| Am nächsten Donnerstag trifft sich wieder die Achtsamkeits-Gruppe in Bensheim-Wilmshausen bei Drehpunkt-Leben, die dazu Gelegenheit gibt. |
| Die Gruppe bietet einen Raum, diese Themen auszusprechen und zu verdeutlichen und gemeinsam zu lernen. |
| (Achtsamer Umgang mit stressverstärkenden Gedanken) |
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