Newsletter 19.4.2019


Drehpunkt Leben
Paul, Chris Keine Angst vor fremden Tränen
Hallo Alfred,
Ich möchte den heutigen Newsletter wieder mit einer Buchempfehlung beginnen.
Es geht um Trauer und wie ich ihr begegne. Trauer bei bei Menschen, die mir nahe stehen, Trauer, die ich bei Menschen erlebe, die mir entfernt oder unbekannt sind, aber auch eigener Trauer. Jeder von uns kennt diese Gemütsstimmung und die lähmende Energie, die ihr inne wohnt und der Hilflosigkeit, sich mit ihr auseinanderzusetzen. Ich habe dieses Buch im Rahmen einer Ausbildung für Trauerbegleitung gelesen, eigentlich geht es um Hilfestellung für andere, doch habe ich das Gelesene mehr für mich und meine eigene Traurigkeiten als anregende Hilfestellung erlebt. Das Buch von Chris Paul ist für mich eine Sammlung von Erfahrungen, wie ich mich erstmal eigener Traurigkeit nähern kann, um vielleicht dann – mit dem eigenen Erleben – andere in ihrer Traurigkeit zu begleiten.
Wir trauern oft, weil Trauer nicht auf den Verlust durch das Sterben naher Verwandter beschränkt ist. Wir trauern um gescheiterte Beziehungen, verlorene Ideale, verpasste Chancen oder weil wir Lebensfreude verloren haben und alles überhaupt nicht so ist, wie wir es uns ersehen und irgendwann einmal gewünscht haben.
Mir ist so, als sei dieses Gefühl am Abend vor dem Schlafengehen und am Morgen direkt nach dem Aufwachen am stärksten, vielleicht, weil ich mich dann am hilflosesten fühle. Ich habe versucht diese Gefühl in ein paar Zeilen auszudrücken (Juli 2013):
Ich bin erwacht, spüre und plötzlich ist es da,
der Weg vor mir scheint unbegehbar,
das Hindernis vor mir unendlich hoch,
der Schlund,
der mich anzieht und verschluckt,
die Seele schwebt im Sturm, ungeschützt,
meine Gefühle
tasten im Dunkeln ohne Halt.
Dann packe ich noch Verzweiflung
oben drauf.
Dann würze ich mit Traurigkeit.
Dann versiegt mein Wille,
mich zu bewegen.
Mein Lächeln verschwindet,
Meine Lebensfreude stirbt,
Es gibt keine Farben mehr,
außer grau.
Ich will das alles anders haben, will nicht, dass es ist, wie es ist.
Ich will mich abwenden und das Schöne, Gute, Angenehme suchen.
Wenn ich all das bemerke, dann setze ich mich auf mein Kissen,
nehme allen Mut zusammen, versuche die Angst zu überwinden und
all diese Gedanken, Empfindungen und Gefühle auszuhalten.
Immer wieder blitzt der Impuls, sich abzuwenden, nur weg aus dem, was ist.
Oft gelingt es mir zu bleiben und ich erfahre, dass es heilsam ist.
Ich habe gelernt, wie hilfreich es ist, dabei nicht alleine zu sein, sondern Begleitung zu haben. Begleitung, die einfach da ist, zuhört, in Respekt und Empathie mit trägt.
Die Gruppe bietet einen Raum, diese Themen auszusprechen und zu verdeutlichen und gemeinsam zu lernen.
Sei herzlich eingeladen.

25.4.2019 Donnerstag – Offene gestalttherpeutische Gruppe

(Das Thema des Abends ist offen, wir arbeiten mit dem, was präsent ist, doch kann das natürlich auch Trauer sein)
Weitere Termine:
8.5.-26.6.2019 Mittwochs – Die Kunst gelassen zu erziehen – achtsame elterliche Selbstfürsorge
9.5.2019 Donnerstag – Achtsamkeitsabend (Thema: Schweigen und Stille)
Danke für das Lesen. Bis bald!
Alfred Spill