Newsletter 6.5.2019


Drehpunkt Leben
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Wenn du still sitzt, wirst du etwas sehen,
wenn du ruhig bist, wirst du etwas hören.
(alte Cherokee Weisheit)
Es geht einmal mehr um inne-halten, um raum-schaffen für das, was da ist.
In meinem täglichen unterwegs-sein, in dem eingebunden sein in der Planung der jeweils nächsten Stunden und Tage, sehe und höre ich nur, was mir zu dem Zweck, den ich mir gegeben habe, sehen und hören muss. Ich bin bestenfalls fokussiert, schlimmstenfalls mit einem Tunnelblick unterwegs.
Dabei bin ich kaum noch erreichbar für etwas außerhalb meiner geplanten Aktivitäten. Es braucht laute Klingeltöne, Kindergeschrei, heftiges Hupen, Warnsignale von Eierkocher, Waschmaschinen und hypermodernen Armbanduhren um mich zu alarmieren. Mich zu alarmieren soll heißen: mich dazu zu bewegen, abzubrechen was ich gerade tue und mich dem Aufmerksamkeit verlangenden Signal zuzuwenden.
Jedes dieser Signale empfinde ich oft als eine Fremdbestimmung, ein nervender Eingriff von Außen in das, was ich eigentlich in diesem Moment tun will, ich werde getrieben und ich reagiere und meistens mit Stress, der immer auch dann entsteht, wenn ich jetzt etwas tun soll, was ich jetzt nicht will und nicht das jetzt tun kann, wonach mir gerade jetzt ist.
Oft mache ich auch noch die Erfahrung, dass ich zwar ziemlich genau weiß, was ich jetzt nicht will, jedoch weniger genau oder gar nicht, was ich denn eigentlich will. Manchmal will mir das Leben etwas zurufen, doch es erreicht mich nicht. Ich bin belegt, besetzt, voll an der Kapazitätsgrenze.
An diesem Punkt kommt die Achtsamkeit ins Spiel, an diesem Punkt zu bemerken, dass es Zeit ist einmal auf eigenen Beschluss inne zu halten, mich hinzusetzten oder auch zu stellen oder legen und mit Zeit zu gönnen, zu sehen, was es denn noch so gibt. Ich brauche dann eine Weile, mich leer zu machen von all dem, was gerade so in mir ist und offen zu werden für eine andere Aussicht, andere Blickwinkel, Fernes und Nahes, was mein Geist bisher einfach ausgeblendet hat.
Wichtig ist dann auch das Schweigen: raus aus dem Sendemodus, hinein in den Empfangsmodus. Es geht um die momentane ungefilterte Erfahrung: was sehe ich, was höre ich, was spüre ich, es geht um meine direkte Erdung, dem direkten Kurzschluss meiner Sinne mit dem, was gerade im Innen und Außen ist.
Manchmal ist das nicht leicht, von Gedanken und Gefühlen durchwirkt, es gibt die Erfahrung, dass Stille die innere Belastung sogar noch verstärkt. Dann habe ich die Chance zu lernen, dass das nur Gedanken sind und nur Gefühle und das da mehr ist, vielleicht frische sonnige Luft, Vogelstimmen, ein gutes Körpergefühl und ein starker Atem. Ich habe die Chance zu lernen, mit all dem in mir weiser umzugehen.
Die Achtsamkeitsgruppe bietet einen Raum, diese Themen auszusprechen und zu verdeutlichen und gemeinsam zu lernen.
Seid herzlich eingeladen.

9.5.2019-(19AA56) – Achtsamkeitsabend (Thema: Schweigen und Stille)

Danke für das Lesen. Bis bald!
Alfred Spill
Weitere Termine:
08.5.2019-(19YK-E2) Die Kunst gelassen zu erziehen – achtsame elterliche Selbstfürsorge
14.5.2019-(19MBSR10-V) Vertiefungskurs – Teilnahme mit Vorbedingungen
17.5.2019-(19EH02) In Kontakt kommen – anderen begegnen (Karlsruhe)
23.5.2019-(19MBGA14) Drehpunkt Leben – Gestalt in Aktion – offene monatliche Gruppe