Newsletter 19.5.2019


Drehpunkt Leben
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Bei einem schnellen Blick erscheint uns vieles im ersten Augenschein wie ein totales Durcheinander, ohne Sinn und Zweck.
Beim zweiten Hinschauen erkennen wir einzelne Aspekte, hier ein Rad, dort ein Pedal und einen Gepäckträger, Rücklichter.
Ohne das ganze Bild, die ganze Gestalt zu sehen, fügen wir trotzdem die Einzelteile zu einem Fahrrad zusammen. Wir komplettieren das Gesehene zu zwei Fahrrädern, die auf einen Fahrradträger montiert sind. Wir komplettieren zu einem Auto, sogar zu einem Volkswagen.
Wie fügen dem Bild ganz individuelle Wertungen hinzu: Der kritische Kenner wird den Kopf schütteln, weil die Reifen nicht mit einem Riemen fixiert sind und er wird vielleicht das Sicherheitsbewusstsein des Fahrers in Frage stellen. Ein anderer Mensch wird sich über den Schmutz wundern: Die müssen aber querfeldein gefahren sein, ist sein Gedanke, wieder mal welche, die sich nicht an die normalen Weg halten können und es käme ihm nicht in den Sinn, dass die Räder in diesem Zustand aus der Garage kommen.
Die Antwort auf die Frage, wer mit diesen Rädern gefahren ist und ob überhaupt, liegt ganz im Reich der Spekulation. Ebenso Fragen wie, warum sie gefahren sind und ob es Spaß gemacht hat. Das Bild sagt es dem Betrachter nicht und doch gibt es automatische Antworten in unserem Geist, die auf den eigenen Erfahrungen beruhen. Sonntägliche Familien Fahrradtour – machen wir auch oft. Die haben sich mal richtig ausgepowert – ich brauche das Fahrrad auch um meine Bürozeiten zu kompensieren.
Dieses Bild kann Sehnsucht hervorrufen: ach ich sollte auch mal wieder das Fahrrad benutzen – kann aber nicht, ich habe keine freie Minute oder auch Ärger: wieder mal welche von denen, die den erholsamen Spaziergang stören.
So bauen wir uns unsere Welt, mit dem was wir wahrnehmen, aufgesetzt auf das, was wir erlebt haben und eingemischt in die aktuelle Situation, in der wir uns gerade befinden.
In dieser unserer Welt handeln wir und werden oft überrascht von den Reaktionen anderer, Reaktionen, die so gar nicht in unsere Welt passen wollen, weil sie aus einem anderen Blickwinkel und Verständnis herrühren.
Pema Chödrön, eine Buddhistin, gibt ein wunderbares Beispiel in ihrem Buch „Wenn alles zusammenbricht“ (Goldmann Verlag):
„Jemand kommt auf uns zu und sagt: „Du bist alt“. Wenn wir Alter für eine erstrebenswerte Qualität halten, fühlen wir uns jetzt richtig gut. Wir fühlen uns gelobt und bestätigt. Daraus ziehen wir großes Vergnügen und ein Gefühl des Gewinns und Ruhms. Nehmen wir aber einmal an, wir hätten uns das ganze Jahr bemüht, die Falten aus unserem Gesicht zu bringen und unser Profil zu straffen. In diesem Fall fühlen wir uns zutiefst beleidigt. Wir fühlen uns beschimpft und empfinden entsprechenden Schmerz“
Es hilft, wenn wir unsere eigene Welt als genau das erkennen, was sie ist, unsere eigene Sicht der Dinge mit unseren eigenen Bewertungen und es ist heilsam, immer im Bewusstsein zu leben und zu agieren, dass es andere Sichtweisen gibt, die genauso richtig oder falsch sind wie meine eigenen.
Die offene Drehpunkt-Leben Gesprächsgruppe bietet einen Raum, diese Themen auszusprechen und zu verdeutlichen und gemeinsam zu lernen.
Seid herzlich eingeladen.

23.5.2019-(19MBGA14) – Drehpunkt-Leben offene Gruppe

Danke für das Lesen. Bis bald!
Alfred Spill
Weitere Termine:
16.6.2019-(19AA56) Achtsamkeitsabend in Bensheim-Wilmshausen
07.10.-25.11.2019-(19MBSR-ASP12) MBSR-Herbstkurs in Bensheim-Wilmshausen
18.11.-20.11.2019-(19MBGA-S05) Achtsamkeitsseminar im Odenwald