Oft gestellte Fragen


Kontemplation

Was ist Kontemplation oder Weises Denken?

Ein Aufsatz von Paul Köppler

Viele Übende, die versuchen regelmäßig zu sitzen oder auch Retreats aufsuchen, haben die Vorstellung, dass es beim stillen Sitzen vorwiegend darum geht, den Geist zur Ruhe zu bringen und das Denken abzustellen. Das ist einseitig und führt meistens nicht zum Ziel. Eine gewissen Beruhigung des Geistes ist sicher von Vorteil, ein mehr gefestigter und zugleich lenkbarer Geist sollte jedoch dazu verwendet werden, um über bestimmte Themen weise nachzudenken, sie zu erforschen und in ihrer Tiefe zu ergründen. Ich nenne das Kontemplation statt Meditation. Immer wieder werde ich gefragt, wie das eigentlich geht, worauf es dabei ankommt. Man fragt das, weil man ahnt und spürt, dass es nicht um ein „gewöhnliches, alltägliches“ Nachdenken geht. Es geht jedenfalls nicht um eine rein intellektuelle Einsicht, sondern um ein Denken, dass mit dem Erleben und Sehen verbunden ist. Wie kann man nun dieses „tiefe Schauen“, wie es Thich Nhat Hanh

ausdrückt, einladen?

Schon Freud wusste, dass man das Unbewusste durch Fragen öffnen kann, die Patienten dabei aber nicht mit nur mit dem Intellekt arbeiten, sondern mehr mit freier Assoziation und mit Bildern dorthin geführt werden, wo Gefühle auftauchen. Gefühle sind der Schlüssel. Tiefe Einsichten sind immer auch tiefe Berührungen, manchmal auch Erschütterungen. In der Kontemplation geht es auch darum, das sonst Verborgene sichtbar zu machen, aber nicht nur das Persönliche, sondern auch und besonders das Grundlegende, die geistigen Gesetze, die die Menschen und das Leben bestimmen. Das intuitive Durchschauen, dieser „helle Blick“ (das ist die wörtliche Übersetzung von ‚Vipassana‘), befreit von den Fesseln, die uns leiden lassen, ob wir das nun wissen oder nicht.

Wie können wir nun konkret vorgehen? Die wichtigste „Methode“, die mehr eine Einstellung ist, ist die Bereitschaft, sich auf das, was in uns wirkt, einzulassen – und mit der Aufmerksamkeit dabei zu bleiben. Auch hier spielen die Gefühle eine Rolle. Der Buddha beschreibt, wie er selbst Orte aufsuchte, die Angst in ihm auslösten. Und wie er dann nichts weiter machte, als standhaft bei der Angst zu bleiben, ohne sich von ihr zu   Reaktionen hinreißen zu lassen. Das ist nicht einfach, wenn wir nicht die geistige Stärke eines zukünftigen Buddhas in uns spüren. Deshalb kann es hilfreich und oft notwendig sein, einen guten Freund, Begleiter oder Lehrer/in an der Seite zu haben. Bitte glaube nicht, dass zu jeder Zeit jemand für dich da sein muss und dass dieser jemand ein erwachtes Wesen sein soll. Viel wichtiger ist es, dass du jeden Tag dein Vertrauen darin bestärkst, dass es erwachte Lehrer in der Welt gibt, dass du keinen Zweifel hast, dass es eine befreiende Lehre gibt, dass du Unterstützung auf deinem Weg hast, auch wenn er von unsichtbaren geistigen Kräften kommt und dass in dir der Samen zu einem erwachten Wesen ganz sicher schon da ist, schon auf dem Weg zum Erblühen ist. Deshalb ist eine wichtige Kontemplation um Hilfe von geistigen Kräften zu bitten, um Schutz im Angesicht der Wahrheit zu bitten, und um Antworten und Einsichten auf deine Lebensfragen zu bitten.

Die praktische Methode der Kontemplation besteht eben darin, Fragen zu stellen. Stelle dir am Anfang einer Meditation Fragen, aber lass sie wirken, versuche sie nicht „nur“ mit dem Verstand zu beantworten. Die Fragen können persönlicher Art sein, die du selbst formulierst. Wenn es um die tiefen geistigen Dinge geht, dann findest du jede Menge solcher Fragen in der Lehre des Buddha und in den Anregungen der Lehrer/innen. Sie könnten lauten: Was ist nicht vergänglich? Wovon wird das Leben bestimmt? Was ist heilsam und was nicht heilsam? Was sehe ich als mein Selbst an? Was ist wichtig? Ist es wahr? Wie möchte ich dem Tod begegnen?

Wie kann man vermeiden bei solchen Fragen nicht ins Grübeln zu kommen, in persönliche Geschichten, in Verwirrung, eben nicht weise nachzudenken? Um das zu vermeiden ist es wichtig, die aufkommenden Gedanken zu prüfen. Gedanken sind auch ein Objekt der Achtsamkeit. Mit ein wenig oder viel Übung wirst du merken, welche Gedanken nicht heilsam sind, nicht hilfreich, negativ, ablenkend. Lass diese nicht zu, schwäche sie, vermindere sie, ersetze sie mit positiven. Auch der Buddha selbst ist so vorgegangen. Positive Gedanken und Einsichten kannst du fördern, wiederholen, bestärken. Das schöne daran ist, dass du solche Fragen nicht nur beim stillen Sitzen stellen kannst, sondern du kannst sie sehr gut bei wiederkehrenden Gelegenheiten in dein tägliches Leben einbauen.

Wir sind so gewohnt, uns mit unseren Gedanken zu identifizieren, ihnen zu vertrauen. Das achtsame Betrachten und die Zuwendung schafft einen Raum, schafft eine Distanz, die den Zugang zur tieferen Ebene unseres Geistes öffnet. Wichtig ist dabei sich nichts zu erwarten. Ohne Erwartung, ohne Wünsche aber mit guter Absicht, gutem Bemühen: Diesen scheinbaren Widerspruch zu überwinden, das ist die Aufgabe der Kontemplation.

Oft ist es so, dass die kontemplative Übung eine Art Vorbereitung ist. Scheinbar geschieht da nicht viel, doch du bleibst dabei. Du bearbeitest den Garten deines Herzens und legst die guten Samen. Dabei kannst du in der Kontemplation ohne weiteres auf gegebene Weisheiten wahrhaftiger Lehren zurück greifen. Die Texte zum liebevollen Wohlwollen aus Buddhas Reden, die wunderbaren Gedichte von Thich Nhat Hanh und vieles andere können dabei so wertvoll sein. Die Samen müssen bewässert werden, um wachsen zu können. Lass dich nicht entmutigen, wenn du nicht schnell zu besonderen Erkenntnissen und Lösungen kommst. Der Buddha sagt, gehe so vor wie ein Henne, die ihre Eier ausbrütet, indem sie ihre Wärme und Ausdauer gibt. Auf gleiche Weise gib deinem Herzen die Wärme und Ausdauer deiner liebevollen Zuwendung. Dann ist es unvermeidlich, dass die Schalen deiner Unwissenheit aufbrechen und lebendige Einsicht herauskommt, wie das Küken aus dem Ei.

Das wird oft gar nicht auf dem Sitzkissen geschehen, sondern irgendwo im Alltag, bei einem Spaziergang, einem Gespräch, beim Anblick des letzten Blattes auf dem Baum im späten Herbst, beim Betrachten deiner Spur auf dem Rasen. Wenn dich deine Kontemplation dahin führt, wenn positive Gefühle dabei aufkommen, wenn schließlich der Geschmack von Freude und eine Ahnung von Freiheit entstehen, dann erlebst du die Früchte des weisen Nachdenkens.

Kurse

Was ist MBSR?

Das Übungsprogramm “Mindfulness-Based Stress Reduction” , abgekürzt MBSR, heißt in deutscher Übersetzung “Stressbewältigung durch die Übung der Achtsamkeit

Es wurde in den USA von Prof. Jon Kabat-Zinn und seinen Mitarbeitern entworfen und wurde seitdem an Kliniken und Gesundheitszentren auf der ganzen Welt erprobt und weiterentwickelt. Es beinhaltet     bewährte meditative Übungen in Ruhe und Bewegung für eine verbesserte Wahrnehmung von Gedanken, Gefühlen und Körperempfindungen. Wissenschaftlich fundierte Ansätze aus Psychologie und Stressforschung ergänzen das Programm. MBSR bietet praktische Lösungen im Umgang mit Stress, schmerzhaften Emotionen, körperlichen Schmerzen und schwierigen Kommunikationssituationen.

Der MBSR Kurs soll auch gegen Angst helfen, ist das so?

Unabhängig davon, wie wohlhabend oder gesund wir anderen oder auch uns selbst erscheinen mögen, sind wir als Menschen zumindest gelegentlich nicht immun gegen jenen Geisteszustand, den wir als Angst kennen, und gegen die kurz- und langfristigen Folgen, die die Angst auf den Körper haben kann und darauf, wie wir uns verhalten und auf die Belastungen und Herausforderungen reagieren. Es ist wichtig, hinzuschauen und es zuzulassen, die Angst im eigenen Körper zu spüren, so sonderbar es anfangs auch erscheinen mag (Jeffrey Brantley).

Im MBSR Kurs lernen wir hinzuschauen und zu spüren. Wir lernen, nicht wegzulaufen, sondern die Dinge so anzuerkennen, wie sie sind. Das ist die Vorrausetzung für nützliches Handeln. Dieses nützliche Handeln wird möglicherweise die Angst nicht beseitigen, aber die Vorgänge in uns besser verstehen helfen und unseren Umgang mit dem Geisteszustand Angst verändern.

 

Meditation

Kann ich beim Meditieren etwas falsch machen oder mir schaden?

Nein. Jede Meditation ist eine Übung. Man beginnt mit dem, was man weiß und kann und lernt beständig hinzu.

Wie lange muss ich meditieren und wie oft, bis ich es kann?

Jeder der meditiert ist auf einem Weg und genau da und soweit, wie er gerade ist. Das ist wertneutral. Es geht nicht ums können und ums fertig sein, ums erreicht haben. Es geht vielmehr ums das immerwährende weiter gehen auf dem Weg.