Newsletter 23.3.2019


Drehpunkt Leben
Hell und Dunkel
Hallo Alfred,
Liebe Interessierte
„Ein trauriger Moment“, seufzte der Mann, als er dieses Bild sieht, „nun ist die Sonne weg, das Helle und Warme versinkt in Dunkelheit und Kälte“.
„Oh!“, sie ist erstaunt, „so siehst du das?. Für mich beginnt hier der Tag und das Dunkle und Kalte wird bald verschwunden sein und es werden Licht und Wärme den ganzen Wald erfüllen. Ich freue mich!“
Beide Blickwinkel sind spekulativ und sowohl „er“ als auch „sie“ bringen ihre ganz eigene, individuelle Anhaftung und Prägung in die Wirkung dieses Bildes ein.
Vielleicht kennt „er“ diese Einstellung bei sich,“…es vergeht immer etwas, ich verliere immer etwas, ich möchte etwas festhalten… und wenn es dann dunkel und kalt wird, will ich das nicht so…“ und vielleicht kennt er auch den Frust, dass er nichts ändern kann. Die Sonne wird untergehen und er kann nichts tun. Ist es das, was ihn traurig macht?
Und das gleiche Bild, die gleiche Situation ruft bei „ihr“ Freude hervor. Es kann vielleicht für „sie“ gar nicht anders sein, als dass es jetzt hell wird, sich die Dinge zum Guten wenden.
Welch eine tolle, lebensbejahende Einstellung!
So könnte man meinen. Doch Vorsicht! Was ist, wenn es jetzt wirklich dunkel wird und das Hellwerden nur eine unreflektierte Erwartung ist? Kommt dann Enttäuschung? Wie geht „sie“ damit um? Ist es nicht vielleicht nicht doch besser, das Dunkelwerden zu erwarten, wie „er“ das tut und dann wundersam überrascht zu werden, wenn es doch hell und sonnig wird?
Es ist nicht allgemein zu entscheiden, welche Einstellung die „richtige“ für „ihn“ oder „sie“ ist, das geht nur individuell. Es kann jedoch auf beiden Seiten zum Problem werden, wenn jeder ausschließlich in seiner Grundhaltung erstarrt und sich der Charakter des Denkens und Handels verfestigt.
Ich habe gelernt, dass das Leben zu leben einfacher wird, wenn ich mehrere Optionen und Kompetenzen zur Verfügung habe, situationsgerecht zu handeln. Natürlich kann ich der Sonne, hier ein Synonym für die vermeintlich guten und schönen Dinge, hinterhertrauern, doch wenn sie immer da wäre, würde ich völlig überfüttert und würde sie sicher irgendwann hassen und wegwünschen. Daher ist es sicher gut, dass ich auch gelernt habe, mit der Nacht etwas anzufangen. Auch hier sei die Nacht ein Synonym für das Schwierige und Schwere im Leben.
In bin zutiefst davon überzeugt, dass es darauf ankommt, die Momente so wie sie sind mit dem zu nutzen, was sie anbieten. Akzeptiere ich sie, sind sie, wie sie sind. Akzeptiere ich sie nicht, sind sie auch wie sie sind. Trotz all meinem Wissen und der Lebenserfahrung von 64 Jahren gelingt mir das allerdings nur hin und wieder. Zu sehr bin ich in vielen meiner Standpunkte verfestigt und vorgeprägt.
Doch ich arbeite an mir und biete interessierten Menschen an, mit mir zu arbeiten. Für sich mehr Erkenntnis zu gewinnen, welche Prägungen ihrem Handeln zugrunde liegen und andere Sichtweisen und Handlungsoptionen zu ergründen.
Am nächsten Donnerstag trifft sich wieder die offene Gestalt-therapeutische Gruppe in Bensheim-Wilmshausen bei Drehpunkt-Leben, die dazu Gelegenheit gibt.
Die Gruppe bietet einen Raum, diese Themen auszusprechen und zu verdeutlichen und gemeinsam zu lernen.
Sei herzlich eingeladen.

28.3.2019 Donnerstag – Drehpunkt-Leben: Gestalt in Aktion

Weitere Termine:
ab dem 2.4.2019 MBSR 8 Wochen Kurs in Seeheim-Jugenheim
11.4.2019 Donnerstag – Achtsamkeitsabend
Danke für das Lesen. Bis bald!
Alfred Spill