Newsletter 3.10.2019


Drehpunkt Leben
Kreuz am Hof
Dieses Kreuz ist mir ein beliebter Ruheplatz, wenn man vom Benediktushof in Holzkirchen in Richtung der Wiesen und Felder spaziert.
Loslassen
Ich werde von einer Klientin gefragt: „Wie geht das denn mit dem Loslassen?“ wie mache ich das?
Nun, wie bei jeder solcherart Fragen, hüte ich mich als Achtsamkeitslehrer und Therapeut, eine „Betriebsanleitung“ zu überreichen, oder auch nur einen Ratschlag zu geben. Die Gründe für und die Hintergründe von „Loslassen wollen“ können sehr vielfältig sein. Genauso vielfältig werden die Lösungen sein, diejenige von dem inneren Druck zu befreien, der sie zum „Loslassen wollen“ treibt. Vielleicht ist ja auch „Loslassen“ gar nicht die richtige Taktik, um ein gespürtes Leiden zu mindern, dann wäre eine Anleitung zum Loslassen auch völlig verkehrt.
Wie immer in der Achtsamkeit steht am Anfang die eigene innere und äußere Wahrnehmung und deren Beschreibung. Daher meine Erwiderung: „Schließe mal für einen Moment die Augen, atme tief durch und versuche zu beschreiben, welche Gedanken, Emotionen und körperliche Impulse gehen dem Drängen zum Loslassen voraus?“. Es geht um die nächste Ebene, um Hintergrund, aus dem sich der Drang zum Loslassen als „Lösung-sweg“ erhebt. (Wie filigran interessant ist hier die deutsche Sprache. Bietet sie doch auf ein „Problem“ immer eine „Lösung“ an.)
Es ist wichtig zu betrachten, was man denn – neben den bedrängenden Dingen – an wichtigen und guten Dingen zurücklässt, wenn man loslässt. Dazu habe ich noch einen Text gefunden, dessen Autor ich leider nicht kenne, der mir aber sehr gefällt.
„Ich glaube, dass jeder irgendwie in seinem Leben festklebt, so richtig im Sinne von „mit Kleber mit etwas verbunden“ ist. Zwei Partner, die zusammenleben, Eltern mit Kindern, Arbeitnehmer mit ihrem Betrieb, Unternehmer mit ihren Investitionen, Kinder mit ihren Eltern und dem Lieblingsspielzeug. Wir kleben an den Häusern, Autos, Urlaubsreisen. Wir kleben auch fest in unseren Erinnerungen, Prägungen, Verhaltensmustern. Wir kleben aber auch an unseren Wünschen, Sehnsüchten, Plänen, Karrieren… und wir wissen es nicht, dass es so mit uns ist.
Anhaften, Suchen, Nichtwissen. Holla!. Da sind wir bei den drei buddhistischen Ursachen für Leiden.
Wo fangen wir an?
Mit dem Erkennen. Mit dem Sehen und Fühlen, dass das so mit uns ist, mit dem Wissen, dass wir immer irgendwie in einer Polarität leben und mit dem Erforschen, wo wir uns auf dieser Polaritätsachse befinden.
Das dialektische Gegenteil von „festkleben und nicht loskommen“ ist „festkleben und in sicherer Verbindung sein“. Nicht jedes festkleben ist schädlich, manchmal ist es verdammt wichtig fürs Überleben. Erstaunt kann man feststellen, dass man ins bodenlose fällt und hart aufschlägt, wenn man eine unliebsame Verbindung löst. Manchmal muss man aber auch den harten Aufschlag billigend in Kauf nehmen, um sich von einer unliebsamen Bindung zu lösen.
Das ist Ambivalenz. (Autor unbekannt, von mir leicht veränderter Text)
Das Loslassen oder Nicht-Anhaften ist eine wesentliche Grundhaltung für die Achtsamkeit.
Einen großen Teil der Zeit nehmen die Menschen die entgegengesetzte Haltung ein; sie haften an, ohne sich dessen überhaupt bewusst zu sein. Das, woran man am stärksten anhaftet, sind Gedanken und Ansichten über sich selbst, über andere und über verschiedene Situationen. Es ist eine Art von Festhalten im Inneren. Das ist vielleicht schwer zu erkennen, aber leicht zu spüren.
Die Vorstellungen, an denen man festhält, filtern und formen die eigene Erfahrung von Moment zu Moment tiefgreifend. Wenn Sie anfangen, durch Meditation auf die innere Erfahrung zu achten, werden sie schnell entdecken, an welchen Gedanken, Gefühlen und Situationen Ihr Geist festhalten möchte. Und Sie werden andere Dinge bemerken, von denen er verzweifelt frei zu werden wünscht.
Das Sein-Lassen ist in Wirklichkeit eine Art des Loslassens.
Oft, wenn man nicht eingreift und die Dinge einfach sein lässt, macht man es ihnen eher möglich, wieder zu verschwinden.
(nach Jon Kabat-Zinn und Jeffrey Brantley)
Hilfreiche Zugänge:

Dyaden Fragen oder Einstellungen für Meditation oder Kontemplation

  • Ich merke, dass ich davon wegkommen möchte ….
  • Ich merke, dass ich daran festhalten möchte ….
  • Ich merke, dass ich mir sehr wünsche …
  • Ich merke, dass mir immer wieder durch den Kopf geht …
  • Wenn ich mich an einem Thema festgebissen habe, dann spüre ich …
  • Ich klebe daran, …
  • Es lässt mir keine Ruhe, …
Am nächsten Achtsamkeitsabend wollen wir uns ein wenig mit dem Thema „Loslassen“ beschäftigen. Sie sind herzlich willkommen. Anmeldung bitte über den Link:
10.10.2019 Achtsamkeitsabend Thema: Loslassen
Weitere Termine:
Es gibt noch einen freien Platz im MBSR-8-Wochen Kurs, der am 7.10. in Bensheim-Wilmshausen beginnt.
MBSR-8-Wochen Herbstkurs
Drei Tage, Mo-Mi, intensives Achtsamkeit-basiertes Gestalt-therapeutisches Arbeiten an inneren Themen, die sich aus der Stress Belastung des Arbeitsumfeldes ergeben. Es werden auch die Einflüsse auf die Familie, Partnerschaft und Kinder und auf das allgemeine Lebensgefühl berücksichtigt.
18.11.-20.11.2019 Achtsamkeitsseminar im Odenwald
Danke für das Lesen. Bis bald!
Drehpunkt-Leben
Alfred Spill und Team