Newsletter 30.6.2019


Drehpunkt Leben
Bild - 2014-11-01 Abendnebel
Im Oktober 2013 habe ich dieses Bild bei einem Spaziergang aufgenommen. Heute kann ich nicht mehr erinnern, ob es eine Morgen- oder Abenddämmerung war. Damals habe ich das Bild im Zusammenhang mit dem kurzen Text „Abendnebel“ verwendet.
Ob das Foto den Morgen oder Abend abbildet ist unter dem Blickwinkel, dass es eine Zeit der Veränderung ist, unerheblich. Ich bin auf der Quellensuche in meinen Unterlagen nach dem Begriff „Veränderung“ auf dieses Bild gestoßen, da es mit dieser Kennung „Veränderung“ abgespeichert war. Die Stimmung des Bildes hat mich für eine Weile in den Bann gezogen.
Wenn ich dieses Bild betrachte, dann betrachte ich einen ganz kurzen Moment, einen statischen Augenblick, in dem mehr verhüllt ist als offenbart. Es herrscht nicht genug Licht für klare Konturen, nicht genug Licht für Farben, die über Grautöne hinausgehen. Es ist nicht entscheidbar, ob es in die Nacht oder in den Tag hinein weitergeht.
Damals, in 2013, habe ich eher den Übergang in die Nacht gespürt und auch eher mit Gefühlen der Unwohlseins behaftet, denn in dieser Zeit meines Lebens waren die Nächte oft mit Angst belastet. Heute ist das nicht mehr so. In diesen heißen Tagen ist die Nacht sogar sehr ersehnt und mit ihrer Kühle erfrischend.
Jeder Betrachter mag jedoch eine andere Assoziation haben, abhängig davon, was sie oder ihn gerade beschäftigt.
Für den einen ist es vielleicht der Übergang in die Nacht als der Wendepunkt von einem stressigen Tag in eine Oase der nächtlichen Ruhe, für die andere kommt jetzt vielleicht wieder die gefürchtete Zeit des allein-seins, die Zeit einer bedrückenden Ruhe und Stille nach einem Tag mit Kollegen und Freunden, in dem man sich in einer Gruppe geborgen fühlte.
Jemand könnte das Foto aber auch als ein Abbild für den Aufbruch in den Tag empfinden. Vielleicht kommt es heute zu einer lang ersehnten Begegnung mit einem lieben Menschen und die Dämmerung kann nicht schnell genug weichen, vielleicht ist es aber auch der Beginn eines schwierigen Tages mit angst-machenden Terminen oder – was noch schwieriger ist – es geht in einen Tag voller Unsicherheit über das, was wird.
Bei all diesen Gedanken und Gefühlen bleibt das Bild das gleiche! Wir hängen unsere Wertungen an das, was wir sehen, abhängig von unseren Erfahrungen und dem momentanen Lebensumfeld.
Was bleibt, ist ein Moment der Veränderung, egal, ob von er sich von hell nach dunkel oder von dunkel nach hell entwickelt. Momente der Veränderung sind meistens ohne klare Konturen ohne erhellende Lichtfülle, das Kommende will sich erst noch zeigen. Vieles vom dem, was kommen mag können wir gestalten, vieles jedoch nicht. Werden die Konturen klar und gibt es genügend Licht für klares Erkennen, gibt es auch immer Unerwartetes, Überraschungen, die sich für oder gegen uns entwickeln.
Wir haben keine völlige Kontrolle über das, was sich nach der Dämmerung einstellt, es wäre jedoch gut, wenn wir uns selbst genügend Vertrauen entgegenbringen würden, dass wir mit dem umgehen können, was das Leben uns anbietet.

Morgennebel

Der dunkle Teil des Tages geht,
Der helle Teil nimmt Raum.
Hell und Dunkel, Grau und Weiß,
verweben sich im Augenblick.
Farben und scharfe Konturen sind noch nicht.
Noch herrscht Stille und Bewegungslosigkeit.
Mein Geist schwebt in diesem Zwischenlicht.
Was wäre, wenn dies der letzte Tag wäre?
Ich müsste dich unbedingt noch einmal in den Arm nehmen.
—–
Ich möchte Euch zum nächsten Achtsamkeitsabend einladen, der sich thematisch mit „Schwierigen Gefühlen“ befassen wird.

12.9.2019-(19AA57) Achtsamkeitsabend in Bensheim-Wilmshausen (Donnerstag)

Weitere Termine:
07.10.-25.11.2019-(19MBSR-ASP12) MBSR-Herbstkurs in Bensheim-Wilmshausen
18.11.-20.11.2019-(19MBGA-S05) Achtsamkeitsseminar im Odenwald
Danke für das Lesen. Bis bald!
Alfred Spill