Newsletter 24.11.2019


Drehpunkt Leben
DL-Buch-Jorge-Bucay-Komm, ich_zugeschnitten
„Erschienen im Fischer Verlag“
„Kindern erzählt man Geschichten, damit sie einschlafen, den Erwachsenen, damit sie aufwachen“
Jorge Bucay, ein Gestalttherapeut aus Argentinien, arbeit gerne mit Geschichten. Geschichten prägen sich ein und lassen immer viel Spielraum, sich selbst wiederzufinden.
In diesem Buch erzählt er von einem Holzfäller, der mit voller Energie und Enthusiasmus mit seiner Axt in den Wald geht und an einem Tag 16 Bäume fällt. Er ist gut, in dem, was er tut und er tut es mit viel Freude. „16 Bäume“, sagt er sich, das ist gut, „doch das kann ich noch besser!“ Am nächsten Tag nimmt er sich vor, diese Zahl zu überbieten, doch überraschenderweise schafft er nur noch die Hälfte. Er ist verwirrt und unzufrieden und nimmt sich vor, es am dritten Tag besser zu machen. Er steht früher auf, strengt sich noch mehr an, als an den Tagen zuvor und kann dennoch nur noch 5 Bäume fällen. Dann geht er zum Morgengrauen in den Wald, arbeitet ohne Pause bis zur Erschöpfung bis zum Sonnenuntergang und schafft gerade 2 Bäume. Es geht einfach nicht voran.
In seiner Not fragt er seinen erfahrenen Vorarbeiter um Rat. Nachdem dieser sich angehört hat, was der Holzfäller erzählt, fragt er ihn: „Wann hast du das letzte Mal deine Axt geschärft?“. „Dazu hatte ich keine Zeit“, erwidert der Holzfäller, „ich war zu sehr mit meiner Arbeit beschäftigt“.
Innehalten, würde man heute sagen, innehalten, sich sammeln, sich ausruhen, das ist das modere Äquivalent zum schärfen einer Axt. Für viele von uns ist der Geist das tägliche Werkzeug, die Fähigkeit zur Konzentration, die Bewältigung von Stress und Anforderung. Diesen Geist gilt es laufend zu schärfen und zu stärken und ihm die nötige Erholung zu gewähren. Und weil alles zusammenhängt, gilt das auch für die Beruhigung unsere Emotionen und unseres Körpers. Meistens wissen wir genau, dass das so ist und wir wissen um die Notwenigkeit des Ausruhen, doch… „Nicht immer ist eine Erkenntnis die zwingende Ursache unseres Handels“ (Miriam Meckel aus „Brief an mich selbst“).
Auch ich weiß, das „innehalten“ lebensnotwendig ist, das habe ich gelernt. Was ich noch nicht so richtig gelernt habe, ist, dass sich der Rhythmus des „innehaltens“ verändert, ich brauche diese Zeit der Ruhe öfters als noch vor 5 Jahren, ich brauche auch ein längeres „innehalten“. Eine schlecht geschlafene Nacht ist nicht mehr so einfach zu verleugnen und ein Wochenende auch dem Sofa, mit Buch und Schlafen, muss nachgeholt werden, wenn es einmal ausfällt. Es ist als wenn die Axt schneller stumpf würde und das schärfen länger braucht. Es ist auch Achtsamkeit, zu bemerken, wenn man die Geschwindigkeit im Leben drosseln muss, wenn man einen Gang herunterschalten muss.
Was ich jetzt lerne, ist, dass im „älter werden“ sich das Leben mehr und mehr in den niedrigeren Gängen abspielt und man viel öfters schalten muss.
Die nächste offene gestalttherapeutische Gruppe trifft sich am 28.11.2019

28.11.2019 Gestalt in Aktion – offene gestalttherapeutische Gruppe

Weitere Termine:
Noch zwei Veranstaltungen im Dezember:
12.12.2019 Achtsamkeitsabend
16.12.2019 Gestalt in Aktion – offene gestalttherapeutische Gruppe
Danke für das Lesen. Bis bald!
Drehpunkt-Leben Institut
Alfred Spill und Team