Newsletter 7.12.2019


Drehpunkt Leben
2019-12-05 Frostnebel
„Frostnebel“
Manchmal erscheint die Natur um uns herum erstarrt und geheimnisvoll. Der Boden ist schon angefroren, die Pfützen mit einer Eisschicht bedeckt, gefrorener Nebel liegt auf den Büschen und Gräsern. Die grauweiße Front begrenzt den Blick auf das Nahe-liegende. Die Wahrnehmung prägt einen Eindruck von „einen Moment den Atem anhalten“, die Natur steht mal still, konserviert sich für diesen Moment.
Auch mein Hund hat angehalten. Schaut nach vorne, die Rute gesenkt. Er kann nicht einschätzen, was vor ihm im Nebel liegt. Ich höre nichts, es ist still, vielleicht auch für seine viel besseren Ohren. Er ist unsicher, bleibt in der Nähe meiner Beine, bleibt im Kontakt.
So stehen wir beide, in dieser fünfzig Meter Welt.
Wir wissen, wo wir sind. Wir wissen, wohin der Weg führt, den wir so oft zusammen gegangen sind. Wir wissen, dass ein paar hundert Meter weiter unser Auto steht. Wir wissen, dass rechts unten im Tal sich das Dorf erstreckt und ein paar km voraus die Bergstraße an der Rheinebene endet.
Wir wissen – doch wir sehen nicht. Wir sind uns trotzdem ziemlich sicher, was vor uns liegt – weil wir sicher wissen, wo wir sind. Wir haben uns nicht verlaufen im Nebel. Weil wir wissen, wo wir sind können wir die nächsten Schritte richtig machen – auch in Nebel, im Frost, in der Stille.
Das ist nicht immer so. Mach mal passiert es uns, dass wir uns verlaufen haben, wir leben in einer nebelverhangenen 50 Meter Welt und wissen überhaupt nicht mehr genau, wo wir eigentlich sind. Und wir gehen trotzdem zügig weiter.
Ist das nicht gefährlich? So zu spazieren, ohne sich auch nur bewusst zu sein, dass man sich verlaufen hat? Habe ich das Wissen darüber, wo ich bin, vielleicht ersetzt durch den Wunsch, irgendwo zu sein, Wissen ersetzt durch eine Spekulation?
Wenn ich dann ins Stolpern gerade, wenn der Weg beschwerlich wird und ich nicht dort ankomme, wohin ich wollte, dann bin ich überrascht. Warum eigentlich? Wie kann ich den Weg finden, das Ziel erreichen, wenn ich nicht weiß, wo ich bin. Selbst Google-Maps ist hilflos, mir eine Route zu berechnen, wenn ich den Ausgangsort nicht genau angeben kann.
Gerade in Zeiten, wo sich der Blick in die Ferne trübt, die Welt sich für uns in ihrer Entfaltung verschleiert, gerade dann ist es notwendig zu wissen, wo man ist. An welchem Ort im Raum, in welcher emotionalen Anbindung, mit welchen Wünschen und Werten. Weiß man das nicht, oder nicht so genau, dann macht es viel Sinn anzuhalten und sich Zeit für Orientierung zu nehmen.
Mehrfach habe ich von Teilnehmern an meinen Kursen in den letzten Wochen Sätze gehört, wie: „Ich bin mich gar nicht mehr so sicher, ob mein Leben noch in die Richtung läuft, die ich eigentlich will“ oder „ich habe den Eindruck, dass ich immer mehr von dem weglasse, was ich eigentlich liebe und was mir gut tut“. Und jetzt ist dieses Jahr auch schon bald wieder vorbei.
Dann heißt es: „Sei wachsam! Schaff dir einen klaren Blick! Suche deine Mitte!“, sonst verrieselt dein Leben.
Gerade in den kommenden Wochen der festlichen Tage und mit dem Übergang der Jahre bieten sich vielleicht besondere Gelegenheiten, klarer zu sehen.
Noch zwei Veranstaltungen in Bensheim im Dezember:
12.12.2019 Achtsamkeitsabend
16.12.2019 Gestalt in Aktion – offene gestalttherapeutische Gruppe
Weitere Termine:

Vorschau auf den Januar 2020:

Neu ist ein Abo für alle Achtsamkeitsabende in 2020 (10 Termine alternierend wieder zwischen Donnerstag und Freitag).
2020 Abo für 10 Achtsamkeitsabende
oder den ersten Achtsamkeitsabend
9.1.2020 Achtsamkeitsabend
das ganze Programm 2020 ist als PDF in der jeweils gültigen Fassung online verfügbar:
Drehpunkt-Leben Institut Angebote 2020
Danke für das Lesen. Bis bald!
Drehpunkt-Leben Institut
Alfred Spill und Team