Newsletter 2.2.2019


Drehpunkt Leben
Bank im Juni
Hallo Alfred,
Liebe Interessierte
während der Vorbereitung auf kommenden MBSR Kurse ist mir ein kleiner Artikel von Frau Prof. Dr. Siebecke in die Hände gefallen, den ich Euch in Auszügen gerne hier weitergeben möchte, da er von einer beeindruckenden Klarheit ist.

Wie entsteht Burnout und wer ist gefährdet?

Dr. Dagmar Siebecke, Technische Universität Dortmund
Was ist Burnout?
Die Wissenschaft definiert: „Burnout ist ein dauerhafter, negativer, arbeitsbezogener
Seelenzustand ‚normaler’ Individuen. Er ist in erste Linie von Erschöpfung gekennzeichnet,
begleitet von Unruhe und Anspannung (distress), einem Gefühl verringerter
Effektivität, gesunkener Motivation und der Entwicklung dysfunktionaler Einstellungen
und Verhaltensweisen bei der Arbeit.“ (Schaufeli & Enzmann, 1998)
Burnout sind also psychische Beeinträchtigungen, die in direktem (jedoch nicht ausschließlichem) Zusammenhang mit der Arbeit stehen. Im Zeitalter des „Funktionierens“
und der vordergründig emotionslosen Arbeitswelt sind es oft aber auch körperliche
Symptome und Verhaltensweisen, die auf ein beginnendes Burnout hindeuten können:
Reduziertes Engagement
Sozialer Rückzug
Aggression
Schlafstörungen
Herz-/Kreislaufprobleme
Rückenschmerzen
Magen-Darm-Beschwerden
Tinnitus
Anfälligkeit für Infektionskrankheiten
Erhöhter Alkohol- / Tabak- / Drogenkonsum
Gibt es die Burnout-Persönlichkeit?
Die Forschungsergebnisse zu persönlichen Risikofaktoren sind auf den ersten Blick
widersprüchlich. In einigen Studien werden Personen, die anfällig für Burnout sind, als
antriebsschwach, ohne Selbstvertrauen und ohne Ehrgeiz beschrieben. Genauere Analysen zeigen aber, dass es sich bei den hier Untersuchten um Personen handelt, die bereits in einer Frühphase des Burnouts stecken, deren Leistungsorientierung also schon durch die Symptomatik beeinträchtigt ist.
Die Mehrzahl der Untersuchungen belegen dagegen, dass von Burnout Betroffene vor Eintreten der Symptomatik sehr leistungsmotiviert und dynamisch sind. Sie zeigen motivierten, unermüdlichen Arbeitseinsatz, sind sehr verantwortungsbewusst, stecken sich hohe Ziele, die sie durch entsprechenden Arbeitseinsatz zu verwirklichen suchen.
Diese Forschungsarbeiten stützten damit die These des Leistungsträgers: Engagiert,
kontrollorientiert, verantwortungsbewusst, der „Macher“. Von Burnout Betroffene sind
also – vor Ausbruch der Problematik (!) – genau so, wie man sich als Arbeitgeber
einen „idealen Mitarbeiter“ vorstellt. Die hohe Einsatzbereitschaft und das
ausgeprägte Verantwortungsgefühl bewirken, dass die Betroffenen es trotz auftretender
Problematik und Einbußen in der Leistungsfähigkeit nicht zu Fehlzeiten
kommen lassen – bis „nichts mehr geht“.
Was sind die Bedingungen, die ein Burnout verursachen?
Die Gefahr des Auftretens von Burnout besteht dann, wenn die Bedürfnisse und Fähigkeiten
des Individuums einerseits und die Umweltbedingungen andererseits nicht zusammen passen – wenn zuvor beschriebene Leistungsträger beispielsweise auf folgende Arbeitssituationen treffen:
1) Arbeitsbedingungen, die als Behinderung des effektiven Arbeitens wahrgenommen
werden, wie beispielsweise schwerfällige Informationsflüsse, Einschränkung der Handlungsmöglichkeiten, mangelnde Autonomie, hohes Ausmaß an bürokratischer Kontrolle, Zielkonflikte, schlechtes Projektmanagement, Belastung durch nicht zielführende Nebentätigkeiten oder unpassende Arbeitsmittel.
2) Unzureichende Würdigung der Leistung im weitesten Sinne durch mangelnde Wertschätzung oder die Vernachlässigung von Bedürfnissen (z.B. nach Anerkennung,
Stützung, erfreulichen Arbeitsbedingungen) oder Statusinkongruenz. Auch Arbeitsplatzunsicherheit fällt hierunter (der früher vielfach gültige Ansatz „wer gute Leistung bringt, bekommt auch eine sichere Stellung“ gilt in Zeiten der Krise nicht mehr).
Bildlich gesprochen entsteht Burnout dann, wenn eine Person auf der vierspurigen
Autobahn ihrer Leistungsorientierung angebraust kommt und sich dann in die holprigen
Einbahnstraßenbedingungen des Arbeitsumfeldes einfädeln muss. Der ständige Steinschlag und die Kollisionen mit dem Fahrbahnrand und die Ignoranz gegenüber den fahrerischen Meisterleistungen sind es, die zu Burnout führen. Klassische therapeutische Ansätze arbeiten nur auf der Seite des Individuums. Ziel dabei ist die Beeinflussung der hohen Leistungsorientierung. Therapietenor ist (im obigen Bild gesprochen): Schraube deine Anforderungen an dich und deine Geschwindigkeit so weit zurück, dass du mit der
Einbahnstraße klar kommst, dass der Steinschlag dein Fahrwerk nicht mehr erreicht
– und manchmal einfach eine Parkbucht ansteuern! Dies ist in gewissem Umfang
sinnvoll (soweit es sich um eine überzogene Leistungsorientierung handelt) – aber
langfristig als isolierte Maßnahme für den Betroffenen weder erfolgreich/heilend noch
im Interesse eines Arbeitgebers.
Hieraus ist zu schließen:
• Prävention und Intervention müssen beim Betroffenen und an den Arbeits-
/Umweltbedingungen ansetzen.
• Es nützt nicht, allein die Arbeitsdichte zu reduzieren, denn dadurch wird die
Diskrepanz nicht behoben – oft sogar eher verstärkt, da z.B. die Wertschätzung
dem Betroffenen gegenüber eher reduziert wird. Es kann sogar zum Boreout
aufgrund von Unterforderung kommen.
• Es nützt nicht, allein die personalen Ressourcen (z.B. Umgang mit Stress)
aufzubauen.
• Der Betroffene muss wieder seine Ziele in der Arbeit erreichen können – die
holprige Einbahnstraße muss ausgebaut werden.
• Der Betroffene muss wieder „brennen“ können – nicht nur „in der feindlichen
Arbeitswelt überleben“ lernen.
• Dazu muss an der Arbeitssituation und an der Person – an deren Ressourcen,
Plänen und Zielen – gearbeitet werden.
Hier sind also auch Vorgesetzte und Arbeitgeber gefordert: Sowohl im Interesse der
Prävention als auch der Wiedereingliederung müssen die Arbeitsbedingungen so
gestaltet sein, dass die Mitarbeiter weiterhin oder wieder mit 180 km/h dem Arbeitsziel
entgegen brausen können. Dies sichert den Beschäftigten Arbeitsfähigkeit und
Wohlbefinden und dem Unternehmen Effizienz, Effektivität und Empowerment.
Mehr Informationen finden Sie unter www.burnon-zentrum.de
Ich stimme Frau Dr. Siebecke uneingeschränkt zu. Es muss auf beiden Seiten Hilfestellung gegeben werden: es braucht Prävention und direkte Hilfe, wenn Ich mich auf dem Weg in eine Burnout Situation befinde oder gar schon darunter leide und es braucht Veränderungen im Umfeld, was mit einer belastenden und zerstörerischen Energie meine Arbeits- und Lebensfreude beeinträchtigt.
Als ein Mitglied der Generation „born to the fifties“ kenne ich noch den Kampfruf: „Macht kaputt, was Euch kaputt macht“. Heute, 50 Jahre später, stehe ich nicht mehr hinter dem gewalttätigen Element dieser Aufforderung, jedoch immer noch hinter der Intention: „Seid wachsam! Werdet aktiv! Wer einfach nur leidet ist nicht nur Opfer. Inaktivität gegenüber den zerstörerischen Kräften ist auch eine Form der Täterschaft!“
Es beginnt alles mit der Wahrnehmung und dem Erkennen dessen, was gerade „los“ ist, was gerade mit mir selbst passiert und was ich selbst dazu tue, damit es geschehen kann.
Diese Wahrnehmung kann geübt werden!
Gelegenheit zum üben, Gelegenheit zu neuen Erfahrungen gibt es in den nachfolgend aufgeführten Kursen.
Nächste Termine:
4.2.-3.6. Ladenburg: MBSR Halbjahreskurs bei ABB mit Alfred Spill (noch ein Platz frei)
7.2. Bensheim: Achtsamkeitsabend mit Alfred Spill (noch 2 Plätze frei)
11.2. Bensheim: 8 Wochen MBSR Kurs Informationsveranstaltung mit Alfred Spill
25.2.-15.4. Bensheim: 8 Wochen MBSR Kurs mit Alfred Spill (noch 2 Plätze frei)
26.2.-4.6. Bensheim: Die Kunst gelassen zu erziehen – Aufbaukurs mit Yvonne Kunz
28.2. Bensheim: Offene Gestalt-therapeutische Gruppe mit Alfred Spill und Jacqueline Franz
Danke für das Lesen. Bis bald!
Alfred Spill