Newsletter 9.10.2020


Drehpunkt Leben
DL-Experiment-Grundformen der Angst von Fritz Riemann Aufbau_DL01_asp
Riemann-Kreuz des Strebens: eine Grundstruktur für achtsames, theapeutisches Arbeiten mit Angst im Drehpunkt-Leben Institut
Liebe Freundinnen und Freunde,
Das Unterthema des nächsten Achtsamkeitsabend ist „Angst“ und dazu möchte ich besonders einladen, weil uns Angst unser ganzes Leben begleitet, sie aber hoffentlich nicht niemals unser ganzes Leben bestimmt.
Angst ist ein Grundgefühl, das sich in als bedrohlich empfundenen Situationen als Besorgnis und unlustbetonte Erregung äußert. Auslöser können dabei erwartete Bedrohungen, etwa der körperlichen Unversehrtheit, der Selbstachtung oder des Selbstbildes sein. Dafür ist die Angst da und es ist wichtig, sie ernst zu nehmen.
Angst kann aber auch überhand nehmen, sich krankhaft übersteigern oder nicht rational begründbar sein, dann kann Angst zur „Angststörung“ werden und sehr krank machen.
Angst ist der Oberbegriff für eine Vielzahl von Gefühlsregungen, deren Gemeinsamkeit auf einer Verunsicherung des Gefühlslebens beruht.
Der Psychoanalytiker Fritz Riemann unterscheidet in seinem verbreiteten Hauptwerk
Grundformen der Angst“ vier „Grundängste“ des Menschen und beschreibt sie als die:
  • „Angst vor Veränderung“,
  • „Angst vor der Endgültigkeit“,
  • „Angst vor Nähe“ und
  • „Angst vor Selbstwerdung“.
Am Achtsamkeitsabend werden wir uns mit diesen Ausprägungen beschäftigen und gemeinsam lernen, diese Ängste besser zu verstehen, aber nicht in ihnen stecken zu bleiben.
Evolutionsgeschichtlich hat die Angst eine wichtige Funktion als ein die Sinne schärfender und Körperkraft aktivierender Schutz- und Überlebensmechanismus, der in tatsächlichen oder auch nur vermeintlichen Gefahrensituationen ein angemessenes Verhalten einleitet.
Diese Aufgabe kann sie nur erfüllen, wenn weder zu viel Angst das Handeln blockiert noch zu wenig Angst reale Gefahren und Risiken ausblendet.
Die körperlichen Symptome der Angst sind normale (also nicht krankhafte) physische Reaktionen, die bei (einer realen oder phantasierten) Gefahr die körperliche oder seelische Unversehrtheit, im Extremfall also das Überleben sichern sollen. Sie sollen ein Lebewesen auf eine Kampf- oder Flucht-Situation vorbereiten:
  • Erhöhte Aufmerksamkeit, Pupillen weiten sich, Seh- und Hörnerven werden empfindlicher
  • Erhöhte Muskelanspannung, erhöhte Reaktionsgeschwindigkeit
  • Erhöhte Herzfrequenz, erhöhter Blutdruck
  • Flachere und schnellere Atmung
  • Energiebereitstellung in Muskeln
  • Körperliche Reaktionen wie zum Beispiel Schwitzen, Zittern und Schwindelgefühl
  • Blasen-, Darm- und Magentätigkeit werden während des Zustands der Angst gehemmt
  • Übelkeit und Atemnot treten in manchen Fällen ebenfalls auf
  • Absonderung von Molekülen im Schweiß, die andere Menschen Angst riechen lassen und bei diesen unterbewusst Alarmbereitschaft auslösen
Neben diesen individuellen Reaktionen hat das Zeigen von Angst etwa durch den charakteristischen Gesichtsausdruck oder durch Sprache gegenüber anderen den sozialen Sinn, um Schutz zu bitten.
Die körperlichen Ausdrucksformen der Angst sind die gleichen, unabhängig davon, ob es sich um eine reale Bedrohung oder um eine Panikattacke handelt. Jeder vierte Klient mit Angststörung klagt auch über chronische Schmerzen.
Jeder Mensch bringt eine für ihn typische Angstdisposition von Geburt an mit, die sich aber schon ab dem Kleinkindalter und noch lebenslang durch entsprechende Lernprozesse erheblich verändern lässt. Jede Art von Angst kann gelernt, aber auch verlernt werden.
Im Umgang mit der Angst entwickeln Menschen entsprechend ihrer angeborenen Gefühlsstruktur und ihres erlernten Risikomanagements ein breites Spektrum an Verhaltensmustern, die sich nicht immer stabil zeigen, sondern entsprechend der jeweiligen Angst auslösenden Situation erheblich variieren können.
Der Wagnisforscher Siegbert A. Warwitz unterscheidet dabei acht typische „Einstellungstendenzen“, die sich in die Richtungen „Fluchtreflex“, „Angriffshaltung“, „Überhöhung“ oder „Verharmlosung“ bewegen:
  • Das Vermeidungsverhaltenversucht, Angst induzierenden Ereignissen, Räumen oder Personen möglichst auszuweichen.
  • Das Bagatellisierungsverhaltenist bestrebt, die als peinlich erlebten Angstgefühle vor sich und anderen herunterzuspielen.
  • Das Verdrängungsverhaltenversucht, der gestellten Aufgabe hinderliche Angstgefühle zu unterdrücken oder wegzuschieben.
  • Das Leugnungsverhaltenblendet Anzeichen von Angst aus dem Bewusstsein aus oder versteckt die als Schwäche empfundenen Angstgefühle vor anderen.
  • Das Übertreibungsverhaltenwiederholt und überzieht Sicherheitsvorkehrungen zur Beruhigung der angespannten Gefühlslage.
  • Das Generalisierungsverhalten folgt dem Denkschema von Ängsten als „normaler“ Erscheinung, um sich aus einer erlebten Sonderstellung zu befreien. („Jeder hat doch Angst“)
  • Das Bewältigungsverhaltenbemüht sich um ein realitätsgerechtes Maß an Angst und um ein „funktionierendes Angstgewissen“.
  • Das Heroisierungsverhaltennimmt die emotionale Befindlichkeit der Angst an, sucht sie sogar und empfindet dabei ein gewisses Heldentum.
Jeder von uns hat sein oder seine bevorzugten Verhaltensmuster. Keines davon ist grundsätzlich schlecht, auch Verdrängungsverhalten kann zu seiner Zeit viel Sinn machen. Auch hier gilt wieder: ein Verharren in einem Muster kann eine Kompetenz-Einengung sein und eine Beschränkung der möglichen Optionen.
Ich freue mich auf einen Abend mit Ihnen und von Ihrer ganz eigenen Erfahrung mit der Angst zu hören.
die nächsten Veranstaltungen:
Do. 15.10. 20AA72 Achtsamkeitsabend Thema: Angst (Raum Kabat-Zinn – ASp)
Do. 22.10. – 10.12. 20AnB-QI-M2 Qigong und Meditation (Raum RUMI – AnB)
Do. 29.10. 20AA73 Achtsamkeitsabend Thema: Bücher (Raum Kabat-Zinn – ASP)
Die nächsten gößeren Seminare
24.01. – 26.1.2021 Ruhe suchen – Ruhe finden (Seminarhotel Odenwald – ASp)
01.03. – 26.4.2021 MBSR 8 Wochen Kurs (21ASP-MBSR-14 im Raum Kabat-Zinn – ASp)
Bitte das Gebäude mit Mund/Nasenschutz betreten, bis sie Ihren Platz erreicht haben, dort darf der Mundschutz abgenommen werden.
Bitte beachten Sie immer die Abstandsregel von 1.5m, besonders auf dem Weg zum Platz
Zusammen müssen wir neue Erfahrungen sammeln, wie wir in Zeiten der Pandemie solche Veranstaltungen durchführen. Gehen wir es an!
Danke für das Lesen. Bis bald!
Drehpunkt-Leben Institut
Alfred Spill und Team
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