Newsletter 22.11.2024


Stressverstärkende Kommunikation
„… den ganzen Donnerstag Nachmittag E-Mails… markiert, beantwortet, gelöscht, gedruckt, sortiert und priorisiert… ich hatte nicht vor, alle abzuarbeiten, ich hatte nur vor „Ordnung“ zu schaffen, einen „Überblick“ zu haben … vor dem langen Wochenende.“
Ich habe meinen Klienten im Blick, sehe mehr, wie er sich gibt, auch wenn ich höre, was er sagt. Ich sehe ihn zusammengesunken in seinem Sessel, seine Schultern enttäuscht, sein Nacken erschöpft, die Arme wie nutzlose Anhängsel, seine ganze Haltung ist ausgebrannt.
Er hebt nicht mal den Kopf, als weiterspricht:
„… wissen sie, es ist der totale Frust… am späten Nachmittag gab es genauso viele neue E-Mails, wie vor Stunden… und mit sortieren und priorisieren sind die nicht weg… ich muss sie ja zumindest überfliegen, um zu entscheiden ob sie unwichtiger oder wichtiger Mist sind… der ganze Job ist Mist“
Es ist der zweite Termin des Kompaktkurses zur Stressreduktion und ich spüre, dass er schon weiter auf der Erschöpfungsspirale abgesunken ist, als dass ihm dieser kurze Kurs grundlegend Erleichterung bringen könnte. Er wäre schon ein Gewinn, wenn ich ihm helfen könnte zu erkennen, wie es ihm gerade wirklich geht, ihm zu helfen, seinen Körper zu lesen, seine Gefühle zu spüren und sein Gedanken zu schärfen. Wahrnehmen, ohne sich direkt in einen „Action Plan“ zu verlieren.
„… das ist der Fluch der modernen Zeit…“, murmelt er noch vor sich hin
Früher oder später, eher früher, bricht sich das Thema „Kommunikation“ Bahn, wenn es in der Arbeit mit Klienten um stressverstärkende Faktoren geht. Es ist nur eines der wesentlichen Stressursachen, neben „nicht erlebtem Respekt“, „leben gegen die inneren Werte“, „fehlende Sinnhaftigkeit in Arbeit und Leben“, „soziale Vereinsamung“, oder „Verlust der inneren Mitte“.
Allein Kommunikation ist für sich ein weites Feld: „Persönliches Gespräch zwischen Menschen“, „soziale Medien“, „Team Sessions“, „Kurznachrichten“, „Geschäftsbriefe“, „Zeitungen“, „Radio und Fernsehen“ und nicht zuletzt „E-Mails“… und demnächst immer öfters Kommunikation mit Avataren der KI.
Kommunikation an sich ist nicht nur stressbelastet, es gibt ja auch sehr angenehme Gespräche mit lieben Menschen, seltener handgeschriebene Briefe, die man aufbewahrt und mehrmals liest, es gibt auch wunderbar aufmunterte E-Mails, wenn z.B. ein Kunde sich bedankt oder einen Auftrag platziert. Dann ist Kommunikation sogar heilsam.
Wann aber wird sie zum Problem?
Und, es ist keineswegs ein Problem der Neuzeit. Ein kleiner Ausflug in die Geschichte:
Reichskanzler Fürst Bismarck stand im Jahre 1883 auf dem Höhepunkt seiner Macht. Jedoch forderte der Dienststress Tribut.
Bismarck litt unter Magenkrämpfen, Schlafstörungen, Migräne und einem hartnäckigen Gesichtsschmerz, wahrscheinlich Trigeminusneuralgie. Letzteres war oft so heftig und nicht zu verbergen, dass sich Bismarck einen Vollbart wachsen ließ. Im Jahr 1883 war Bismarck gesundheitlich auf dem Nullpunkt angekommen. Heute weiß man, dass der Mann hochgradig depressiv war und man würde heute unzweideutig einen „Burnout“ diagnostizieren.
Ein Punkt seines „Dienststresses“ lag auch in der Art und Weise, wie er seine Kommunikation bewältigen musste.
Heutzutage ist das kaum noch nachzuvollziehen.
Ja, es gab das persönliche Gespräch, dazu mussten aber seine Gesprächspartner aber oft wochenlang anreisen. Es gab im beschränkten Umfang den Telegrafen und es gab die Briefpost.
Seine Kanzlei bewältigte hunderte von handgeschriebenen Briefen täglich. Bismarck schreibt einmal in einem Brief an seinen Bruder, dass er „…heute über 100 Briefe kommentieret und 32 mit eigner Hand verfasset hat …“.
Er hatte immer die wichtigsten Eingangsbriefe auf dem Tisch, er hat sie gelesen und am Rande kommentiert. Er hat Antworten diktiert, deren Reinschrift er wieder gelesen und korrigiert hat. Wichtigen Adressaten wie Mitglieder der Herrscherhäuser oder Berichte an seinen König und Kaiser hat er mit eigener Hand geschrieben. Natürlich nicht mit Füller, sondern mit Feder und Tinte. Für das Archiv wurde alles mit der Hand kopiert.
Eine Anekdote: – klare Stresskompensation – Es wird berichtet, dass bevor er einen sehr wichtigen Brief lass, erst ein oder zwei Gläser Wein trank!
Das ist jetzt fast 150 Jahre her und die Auswirkungen von E-Mails auf uns heute sind durchaus vergleichbar. Natürlich sind wir keine Bismarcks, natürlich schreiben wir nicht mehr mit Füller und Tinte, aber den Tribut zahlen wir trotzdem.
E-Mails sind heute mit das wichtigste Kommunikationsmittel im Arbeitsalltag. Es ist normal, dass viele morgens zu Arbeitsbeginn 20, 30 oder sogar 50 neue Nachrichten in ihrem Postfach finden. Nach einem zweiwöchigen Urlaub sind es auch schnell mal mehrere Hundert. Viele E-Mails bedeuten nicht nur viel Arbeit, sondern führen häufig zu Anspannung und damit sogar zu gesundheitlichen Problemen wie hohem Blutdruck. Sie sind ein Baustein zum Burnout.
Bismarck war in 1883 so sehr am Ende, dass er zurücktreten wollte (aber nicht durfte) und sich auf eine monatelange Behandlung einlassen musste. Er hatte mindestens eine Regel entweder nicht beachtet oder sie in bestem Wissen, immer wieder ohne Konsequenz gelassen. Das macht krank:
Grundregel: Sei wachsam!
Achte immer darauf, wie es dir gerade geht.
Was macht das mit mir, wenn ich wieder 50 offene Nachrichten vor mir liegen habe?
Was geht mir im Kopf rum?
Habe ich Lust oder Unlust?
Habe ich jetzt schon den Kopf voll von „fertigwerden“?
Ist es heilsam jetzt weiterzumachen, z.B. weil ich das Gehalt brauche?
Es geht um ein beobachtendes Bewusstsein am Übergang, wenn ich mit der Bearbeitung beginnen will. Wenn es mir dabei nachhaltig nicht gut geht – dann muss ich etwa ändern! Ohne diese Bewusstheit wirst du geändert.
Und, zu Eurer Beruhigung: auch Bismarck hat nicht immer sein Pensum zeitgerecht erfüllt, mit teilweise schlimmen politischen Konsequenzen.
Wahrnehmen, wie es dir geht, macht frei! Frei zu entscheiden: ich mache einfach weiter oder ich ändere etwas.
Nicht-wahrnehmen ist innere Gefangenschaft, denn dann mache ich solange weiter, bis ich zusammenbreche.
Mein Klient vor mir hat immer weitergemacht, er ist nicht „wach“ für das, was ist. Ich will ihm helfen „wach“ zu werden. Ändern muss er die Dinge selbst.
Passt auf Euch auf! Seid wachsam!

Kommende Veranstaltungen

Achtsamkeitsabende mit Alfred Spill
24ASP-AA-115 am Dienstag, dem 03.12. Thema: „Sitzen in Stille – Vipassana Meditation“
25ASP-AA-117 am Dienstag, dem 14.01. Thema: „Erwachen in den Tag“
25ASP-AA-118 am Dienstag, dem 04.02. Thema: „Der innere Frieden“
Qigong mit Annette Burkhardt
24ANB-QI-A20 Basiskurs, auch für Anfänger geeignet, donnerstags, 17:45-19:15
24ANB-QI-A21 Aufbaukurs mit Vorkenntnissen, montags, 17:45-19:15
24ANB-QI-A22 Qigong am Morgen-Aufbaukurs mit Vorkenntnissen, mittwochs, 9:00-10:00
24ANB-QI-F12 für Fortgeschrittene, montags, 19:30-21:00
24ANB-QI-M12 Qigong und Meditation monatlich, mittwochs, von 18:30-20:00
24ANB-QI-E4 Einsteiger Kurs, mittwochs von 19:30-20:30
Reiki Grundkurse mit Annette Burkhardt
(24AnB-RE-1) Reiki Wochenende Kurs am 23.11. / 24.11.2024
(25AnB-RE-2) Reiki Wochenende Kurs am 21.03. / 22.03.2025
Yoga mit Rebecca Goga (im Sommer in der freien Natur)
24REG-YO-1 Vinyasa-Flow, Meridian-Yoga, freitags von 18:30 – 20:00
Yoga mit Madeleine Schäfer
24MAS-HYB-1 Basic Yoga, mittwochs, ab 17:30
24MAS-HYF-1 Hatha Flow, mittwochs, ab 19:00
Klangreisen mit Julia Michel
24JUM-FTK-05 Klangreise mit Kakao-Zeremonie am 17.12. ab 18:30
Gestaltseminar am Benediktushof in Holzkirchen mit Alfred und Jacqueline
25ASP-GAH-4 vom 11.05.-13.05.2025
MBSR Kurs mit Alfred
24ASP-MBSR-Kompakt – 5 Einzel- + 2 Gruppen Termine nächster Start 5.12.2024
Wochenend-Seminar mit Elke Harder in Frankfurt
24ELH-GIF-214 vom 14.12.-15.12.2024

Ganzjährige Termine nach Vereinbarung

Therapeutische Einzelberatung: Mit interessierter Aufmerksamkeit unterstützen wir bei Themen, die bei Ihnen gerade im Vordergrund stehen und Sie möglicherweise an einem entspannteren Leben hindern.
(Therapeut/Therapeutinnen: Alfred Spill (Bensheim), Elke Harder (Karlsruhe), Jacqueline Franz (Speyer), Tanja Duda (Frankfurt/M))
Systemische Einzelberatung: Wir unterstützen Erkenntnis und Veränderung bei schwierigen Themen, die im Zusammenhang mit Beziehungen im familiären oder beruflichen Umfeld stehen.
(Beratung je nach Verfügbarkeit und Thema: Inge Baum (Bensheim), Tanja Duda (Frankfurt/M), Yvonne Kunz (Bensheim))
Therapeutische Paarberatung: Mit respektvoller Neutralität unterstützen wir Sie bei Konflikten in den verschiedenen Phasen Ihrer Beziehung und begleiten Sie bei Veränderungen.
(Therapeut/Therapeutinnen: Alfred Spill (Bensheim), Elke Harder (Karlsruhe), Jacqueline Franz (Speyer), Tanja Duda Frankfurt/M))
Gestalttherapeutische Gruppe: Im vertrauten Miteinander unterstützt die geleitete Gruppe durch gemeinsame gestalttherapeutische Experimente und offenen Erfahrungsaustausch Bewältigung und mögliche Veränderungen der Lebenssituation.
(Gruppenleitung: Alfred Spill und Jacqueline Franz (Bensheim))
(Die neue Gruppe startet im September 2024, Anfragen bitte per E-Mail, noch Plätze frei, Teilnahme ist noch möglich)
Systemische Aufstellungen: Im vertrauten Miteinander unterstützen wir durch systemische Aufstellungen in einer Gruppe einen offenen Erfahrungsaustausch und mögliche Veränderungen der Lebenssituation. (Leitung je nach Verfügbarkeit: Alfred Spill (Bensheim), Inge Baum (Bensheim), Tanja Duda (Frankfurt), Yvonne Kunz (Bensheim))
Klangreisen: Die Klangreise ist eine Form der Entspannung – der Meditation. In kleinen Gruppen von 6 bis max. 8 Teilnehmern tauchen wir in die Welt der Klänge und Schwingungen der tibetischen Klangschalen und der Kristallklangschale ein und lassen uns von ihnen tragen. Die Klangreise wird auch als Einzelkurs angeboten.
(Gruppenleitung: Julia Michel, Bensheim)
Ernährungsberatung für Frauen: Gerne helfe ich dir dabei, wieder in deine Balance zu finden. Mit meinem umfangreichen Wissen als ganzheitliche Gesundheits- und Ernährungsberaterin unterstütze ich dich aktiv bei der Integration von gesunden Routinen oder einer Ernährungsumstellung. (Workshops: Sabrina Lenz, Bensheim)
Professionelles Coaching:
Persönlichkeitsentwicklung, Beratung für Führungskräfte in Führungsprozessen, sowie Leadership 4.0 (Einzelberatung, Workshops auf Anfrage, Leitung: Sara Engel, Alfred Spill)
Standorte:
Bensheim (Drehpunkt-Leben Institut), Frankfurt, Karlsruhe, Rastatt, Speyer
Unverbindliche Kontaktaufnahme: dr.alfred.spill@gmail.com oder 0171 5666 705…Termine sind kurzfristig verfügbar. Die Abrechnung erfolgt privat mit monatlicher Rechnung zum jeweils vereinbarten Stundensatz. Keine Abrechnung über Krankenkasse.
Danke für das Lesen. Bis bald!
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