Newsletter 21.3.2020


Drehpunkt Leben
Liebe Freundinnen und Freunde,
Es ist eine ereignisreiche Zeit in diesen Tagen, was gestern noch galt, gilt heute nicht mehr und was heute noch sicher ist, wird vielleicht morgen ganz unsicher sein. Ein „Fahren auf Sicht“ nennt das die Politik, ein Leben näher am „Hier und Jetzt“ würden ich es nennen.
Wir sind es gewohnt, unsere Tage zu planen und erwarten doch auch immer, dass unsere Pläne Wirklichkeit werden. Dabei gehen wir von der Vorstellung aus, dass alle Rahmenbedingungen des Lebens – zumindest die wesentlichen – stabil und kalkulierbar bleiben. Das ist auch meistens so für die meisten von uns. Nur in Einzelfällen – wenn es zu plötzlichen Unfällen, Krankheiten oder anderen Krisen kommt – werden wir aus unserer Illusion aufgeschreckt, dass alles stabil und planbar ist. So ist das Leben nicht, nicht vor Corona, nicht während Corona und wird es auch nach Corona nicht sein.
Der Unterschied ist, das jetzt Millionen von Menschen gleichzeitig diese Erfahrung von Nicht-Planbarkeit, Unsicherheit und krasser Veränderung des gewohnten Lebens erfahren und ganz vielen macht das Angst, viele kommen nicht zurecht mit dem Nichtwissen, ob und wann es „normal“ weitergeht. Was wird, wenn diese Epidemie uns noch 4 Wochen oder gar 4 Monate im Griff behält. Was wird aus meinem Arbeitsplatz, meiner Firma, hält die Familie die Nähe und Enge über so lange Zeit aus? Und das alles, wenn ich und meine Familie gesund bleiben! Wir wagen gar nicht daran zu denken, was wäre, wenn Familienmitglieder sich plötzlich in der Wirren von überlasteten Intensivstationen wiederfinden. All das sind sehr berechtigte Ängste und Sorgen und irgendwie müssen wir mit ihnen umgehen, Moment für Moment und Tag für Tag.
Das Leben hat immer schon seine eigenen Pläne, seine eigene Dynamik, es wirft uns immer irgendwelche Hindernisse in den Weg, die uns mehr oder weniger schmerzhaft treffen, manchmal schmerzhaft bis zum Zerbrechen.
Doch das Leben spült uns auch plötzliche Chancen vor die Füße, einmalige Gelegenheiten, manchmal phantastische Optionen, an die wir nie gedacht hätten. Da ist plötzlich die Chance, Partner, Kinder und Familie neu wahrzunehmen, die Chance, das Leben deutlich zu verlangsamen, dafür Zeit zu finden, zu erkennen, was wirklich wichtig ist im Leben. Vielen ersparen sich sinnlose Stunden und Stunden im Stau, Enge in Zügen und warten auf Flughäfen. Hilfsbereitschaft erwächst auf dem Boden gemeinsamer Sorgen, plötzlich ergeben sich Erfahrungen, gebraucht zu werden und die Dankbarkeit über gelebte Unterstützung.
Manchmal mag sich auch das bisher Gelebte auf dem Prüfstand wiederfinden; in so fern ist Corona eine riesiges gesellschaftliches und persönliches „STOP“, eine Unterbrechung dessen was war und ist und damit die Chance für eine Korrektur unserer Lebensmodelle.
So schwer es sein mag, wir brauchen jetzt alle einen klaren Verstand, ein gutes Erkennen, was im Moment in uns und mit uns los ist, viel viel Mut, noch mehr Geduld mit uns selbst und mit denen um uns herum. Es braucht ein wachsendes Selbstbewusstsein, das man in der Lage sein wird, sich den schwierigen Dingen zu stellen und ein endloses Reservoir von Empathie für diejenigen, die nicht so gut mit allem zurechtkommen.
Ich wünsche Euch allen die nötige Kraft und Energie.
Veranstaltungen:
Alle Gruppenveranstaltungen des Drehpunkt-Leben Institut sind bis Ende April abgesagt oder verschoben. Wir werden Ende April die Situation neu bewerten.
Einzelveranstaltungen wie Systemische-, Paar-, und Gestalttherapeutische Beratung, sowie individuelle Trauerbegleitung werden – nach Bewertung der Dringlichkeit mit dem Berater – weiter stattfinden. Dabei werden die Termine so gelegt, dass sich keine Klienten begegnen. Dabei wird den Empfehlungen des Leitfadens gefolgt:
Hygiene in der psychtherapeutischen Praxis
Danke für das Lesen. Bis bald!
Drehpunkt-Leben Institut
Alfred Spill und Team