Newsletter 11.4.2020


Drehpunkt Leben
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Liebe Freundinnen und Freunde,
ich muss gestehen, dass mir dieser Newsletter nicht ganz so einfach von der Hand geht. Es sind gerade 3 Wochen vergangen, seit dem letzten Newsletter und doch erscheint er aus einer anderen Zeit. Im März schrieb ich den Satz:
„Das Leben hat immer schon seine eigenen Pläne, seine eigene Dynamik, es wirft uns immer irgendwelche Hindernisse in den Weg, die uns mehr oder weniger schmerzhaft treffen, manchmal schmerzhaft bis zum Zerbrechen.“
Damals konnte ich nicht wissen, wie bald und wie fürchterlich nah dieser Satz meiner Familie und mir kommen würde. Was ist geschehen? Die Corona Pandemie hat sich aus der Distanz der „Fernsehen-Extra-Specials“ heraus geschlichen und ziemlich eindrücklich an unsere Türen geklopft. Wir wussten schon im März, dass sich ein Teil der Familie in Siegen durch unglückliche Umstände – über eine Familienfeier – mit dem Virus infiziert hatte. Häusliche Quarantäne für viele war die Konsequenz und einer meiner Ex-Schwager musste sogar auf Intensivstation. Mein Sohn Christian – Gott sei Dank nicht infiziert – hat einen erheblichen Teil der Besorgungen für die unternommen, die nicht aus dem Haus durften. Die Situation kompliziert, angespannt scheinbar unter Kontrolle. Ja, „das Leben hat immer schon seine eigenen Pläne…“, Anfang April erreichte mich nachts ein Anruf von Christian, dass seine Mutter – meine Ex-Ehefrau – an dem Virus plötzlich verstorben sei. Das war nicht mehr nur ein „klopfen an der Tür“, jetzt hatte sich Corona Zugang zu unserem Innersten verschafft. Und dort machte es sich breit, denn einige Tage später starb auch ihr Bruder, Christians Onkel und mein Ex-Schwager auf der Intensivstation. Plötzlich sind vertraute Gesichter nicht mehr da, selbst das sowieso schon schwere Abschied nehmen wird in dieser Situation noch unendlich schwerer wegen Reisebeschränkungen und Kontaktverboten.
Ich verweise nochmal auf meinen letzten Newsletter:
„So schwer es sein mag, wir brauchen jetzt alle einen klaren Verstand, ein gutes Erkennen, was im Moment in uns und mit uns los ist, viel viel Mut, noch mehr Geduld mit uns selbst und mit denen um uns herum. Es braucht ein wachsendes Selbstbewusstsein, das man in der Lage sein wird, sich den schwierigen Dingen zu stellen und ein endloses Reservoir von Empathie für diejenigen, die nicht so gut mit allem zurechtkommen.“
Und heute möchte ich hinzufügen: „Wir brauchen auch die Zeit für unsere Trauer, jeder für sich und gemeinsam, und die Geduld, dass es diese Zeit braucht und das Wissen darüber, dass Trauer manchmal zeitlos ist. Damit müssen wir leben, denn es ist Teil des Lebens.
Ich möchte diesen Teil abschließen mit einem Nachruf, einem Mitschnitt von Radio Siegen vom 7.4.2020:

Nachruf auf Susanne und Johannes

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Ich möchte bei all dem Schweren-Alten aber mit dem Leichten-Neuen abschließen.
Vielleicht ist es auch ein Geschenk, gerade in dieser Zeit, dass jetzt die Natur mit einen Farben- und Geruchsfeuerwerk erwacht. Das Weiß und Rot der Bäume ist ein so plakatives „es beginnt von Neuem“.
Vielleicht ist es ein Geschenk an unser Verstehen, wenn gerade zu meinem 65. Geburtstag, in dieser Zeit der Vergehens eine Kurskollegin ihr erstes Kind zur Welt bringt.
Vergehen und Entstehen sind ineinander verschlungen und können nicht getrennt werden. Und das gerade zu Osten.
„Seid still, hört und seht und versteht, es ist immer alles da, wenn ihr achtsam seid“, (aus dem Sanskrit)
Veranstaltungen:
Alle Gruppenveranstaltungen des Drehpunkt-Leben Institut sind bis Ende April abgesagt oder verschoben. Wir werden Ende April die Situation neu bewerten.
Einzelveranstaltungen wie Systemische-, Paar-, und Gestalttherapeutische Beratung, sowie individuelle Trauerbegleitung werden – nach Bewertung der Dringlichkeit mit dem Berater – weiter stattfinden. Dabei werden die Termine so gelegt, dass sich keine Klienten begegnen. Dabei wird den Empfehlungen des Leitfadens gefolgt:
Hygiene in der psychtherapeutischen Praxis
Danke für das Lesen. Bis bald!
Drehpunkt-Leben Institut
Alfred Spill und Team
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