Newsletter 11.3.2021


Drehpunkt Leben
DL-2018-11-Schreibtisch in Unordnung
„Über die Motivation morgens zur Arbeit zu gehen“
Liebe Leserinnen und Leser,
den nächsten Achtsamkeitsabend am 18. März hatte ich bei der Planung der Abende für 2021 im September 2020 unter dieses Motto gestellt. Ich wurde dazu angeregt, weil ich immer häufiger von Klienten und Gruppenteilnehmerinnen hörte, dass sie es zunehmend schwieriger fänden, sich morgens zu motivieren, überhaupt zur Arbeit zu gehen. Nicht zu reden über einen Arbeitsbeginn mit Freude und positiver Erwartung. Ich dachte, es wäre vielleicht hilfreich, einen Austausch im Rahmen eines Achtsamkeitsabends zu diesem Thema anzubieten.
September 2020 war nach der Corona Phase im Frühjahr und noch vor der zweiten Welle, schon mit der Erfahrung von intensiver Veränderung der Arbeitsprozesse durch Homeoffice aber noch ohne die Erfahrung, dass auch nach einem Jahr eine weitergehende „Normalisierung“ nicht abzusehen ist.
Veränderung hat es immer gegeben, auch viele Veränderungen aufeinander folgend und sich überlagernd sind nicht neu. Sie haben mich während meines ganzen Arbeitslebens begleitet und begleiten mich noch immer. Ja, es hat auch viele Tage gegeben, da wäre ich morgens lieber zu Hause geblieben und hätte meinen Mailaccount lieber nicht geöffnet, mein Telefon lieber nicht eingeschaltet, lieber nicht den Zug nach Zürich oder den Flieger nach Moskau bestiegen… und manchmal habe ich das auch getan und habe mich verweigert. Doch in der überwiegenden Zahl der vielen 1000 Tage meines Berufslebens, bin ich gegangen, war ich motiviert und habe viel Sinn in dem gesehen, was ich gearbeitet habe.
Nun, diese Aussage stimmt in ihrer Wertung mit dem Blickwinkel des jeweiligen Morgens, an dem ich zur Arbeit ging, sagen wir am Dienstag, dem 22. Januar 2002. An diesem Tag hielt ich um 14:00 eine Präsentation vor dem globalen Vorstand über die Möglichkeiten zur Kostenreduktion bei den eingesetzten ERP Systemen. Ich war vorbereitet, motiviert und fest von dem überzeugt, was meinen Kolleginnen und ich erarbeitet hatten. Heute mit dem Abstand von vielen Jahren erschrecken mich diese Dokumente und das, was die Präsentation ausgelöst hat. Die damalige Sinnwertung hält der Geschichte nicht stand. Das passiert und ist letztlich nicht vermeidbar.
Am Donnertag, dem 14. Januar 2010, war ich mit dem Auto auf dem Weg nach Stein am Rhein zum IT Planungstreffen für 2010. Es gab einen gleichlautenden Tagesordnungspunkt, wie 8 Jahre zuvor. Diese Fahrt – so meine Aufzeichnungen – war von Zweifel und Frust geprägt. Ich war in völliger Ablehnung der Vorlagen, die meine eigenen von vor 8 Jahren sehr glichen und am liebsten wäre ich gar nicht zu diesem Treffen gefahren. Ich fuhr gegen meinen inneren Impuls, ohne alle Motivation, müde und erschöpft. Es war halt mein Job, mein Beruf, sie musste ausgehalten werden, diese Spannung zwischen dem, was ich als richtig und sinnvoll erachtete und dem, was wirklich geschah. Eigentlich fuhr ich nicht zum Arbeiten sondern zum verschärfen Aushalten.
Heute weiß ich: „Bleibt die Sinnfrage unbeantwortet, dann wird man unweigerlich krank“. Damals wusste ich das nicht und im Dezember 2010 war ich 4 Wochen in einer Klinik.
Noch eines weiß ich heute: „Die Motivation morgens zur Arbeit zu gehen muss überlagert werden von der Motivation, das ganze eigene Leben zu leben. Die Sinnfrage der Arbeit muss integriert sein in der Sinnfrage des ganzen eigenen Lebens“. Wenn denn – was ich selbst erlebt habe und heute immer wieder bei anderen sehe – sich die Arbeit als das ganze tägliche Leben manifestiert, dann sollte ich keine weiteren Ambitionen wie Familie, Sport oder Hobbies mehr haben. Denn wenn doch, dann lebe ich mein Leben im ständigen Bewusstsein von Fehlendem und Mangel, verbrauche meine Energie in brennender Sehnsucht, Wünschen und der fatalen Hoffnung, es würde automatisch irgendwann in der Zukunft besser werden.
Mein Meditationslehrer Paul Köppler hat mal die Sinnfrage ganz banal formuliert: „Warum stehst du morgens auf?“ In Bezug auf die Arbeit könnte er gefragt haben: „Warum öffnest du morgens deinen Mailaccount?“ Gute Fragen! Schwierige Fragen! Viele Antworten und auch keine.
Ich freuen mich darauf, dieses Thema am nächsten Achtsamkeitsabend aufzugreifen.
die nächsten Veranstaltungen:
Der Achtsamkeitsabend wird fast wieder in seiner alten Form stattfinden, es wird viel Meditation und auch Austausch zum Thema geben. Er wird wieder 90 Minuten dauern, wenn auch mit einer Lüfungspause.
Beschränkung auf maximal 6 Teilnehmer.
Donnerstag, den 18.3.2021 Achtsamkeitsabend
Am 6. Mai findet das erste von 4 Abendseminaren in 2021 statt, die alle einem besonderen Thema gewidmet sind.
Donnerstag, den 6.5.2021 Was mich bewegt: Furcht – Angst – Panik – was tun?
Bitte das Gebäude mit Mund/Nasenschutz betreten, bis sie Ihren Platz erreicht haben, dort darf der Mundschutz abgenommen werden.
Bitte beachten Sie immer die Abstandsregel von 1.5m, besonders auf dem Weg zum Platz
Zusammen müssen wir neue Erfahrungen sammeln, wie wir in Zeiten der Pandemie solche Veranstaltungen durchführen. Gehen wir es an!
Danke für das Lesen. Bis bald!
Drehpunkt-Leben Institut
Alfred Spill und Team
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