Newsletter 30.4.2023


Liebe Freundinnen und Freunde des Newsletters,
Ein Erdbeben
Es geschah in Hermosa Beach an der kalifornischen Küste: Ich bin gerade dabei, Siesta zu halten, als plötzlich das Bett zu schau­keln beginnt, eine Empfindung, die mit einem wirklich ange­nehmen Lustgefühl verbunden ist. Ich kenne clieses Schaukeln vage von Zuständen tiefer Entspannung. Zwar schießt mir ir­gendwo durch den Kopf »Hoppla! Ein Erdbeben!«, doch gleich darauf: »Es wird schon wieder vorbeigehen.« Ich bleibe also lie­gen, lasse es eben schaukeln und warte noch einige Augen­blicke, das Schaukeln wirklich genießend.
Das Beben wird stärker, bis das ganze Haus zittert und klirrt. Meine Frau ruft irgend etwas Unverständliches im Nebenraum („Nimm Decken mit[!]“, stellte sich nachher heraus).
Mit dem Gedanken, jetzt sollte ich eigentlich raus, springe ich aus dem Bett und laufe los. Frau und Kind sind schon aus der Wohnung gelaufen. Während die Wände und der Fußboden fürchterlich wackeln und es ganz unglaublich klirrt, brummt und scheppert, verspüre ich eine ziemliche Aufregung, die ich jetzt ohne Hemmung in direkte Flucht umsetze, wie automatisch. Es ist, als würden die Ge­danken der eigentlichen Handlung hinterdrein folgen, wie ein unnötiges Anhängsel des realen Geschehens.
Wahrscheinlich war das der Grund, dass ich neben der unspezifi­schen Erregung kein eigentliches Gefühl, etwa Angst, verspürte. Völlig ausgezogen, wie ich mich zum Mittagsschlaf hingelegt habe, laufe ich die Stufen hinunter in den Vorgarten-und natür­lich ohne Decken!
Dort warten wir, während das Beben langsam verebbt. Un­sere „Landlady“, eine sechzig Jahre alte „propere“ Witwe, war inzwischen auch aus ihrer Wohnung gekommen. Etwa eine Mi­nute lang stehen wir so und reden wild durcheinander, ohne dass dabei einer dem anderen zuhört. Erst als sich die Spannung etwas löst, bemerken wir, dass ich nichts „an“ habe. Die Beklommen­heit löst sich in allgemeines Kichern auf. Ich gehe etwas zögernd zurück in die Wohnung und ziehe mir etwas an -das buchstäbliche Zur-Ruhe-Kommen des Bodens unter den Füßen hat auch die üblichen sozialen Verhaltensweisen und -normen wieder einrasten lassen.
Angst oder Furcht?
Dieser Teil der Episode ist ein gutes Beispiel für die Entstehung und den Verlauf eines Furchtgefühls. Das ungewöhnliche, vor­übergehend sogar sehr angenehme Ereignis des im Halbschlaf schaukelnden Bettes wird erst durch die bewußte Erkenntnis „Erdbeben“ (Bedeutung) und das wirklich laut werdende Schep­pern (Reizintensität} zur erlebten Bedrohung.
Die mit dieser Er­kenntnis einhergehende Erregung führt direkt zu einer situa­tionsändernden Verhaltensweise, in diesem Fall zur bedingungslo­sen Flucht ins Freie. Dabei sind Vorsorgemaßnahmen (das Mitneh­men von Decken} und soziale Hemmungen (unbekleidet ins Freie zu laufen) ziemlich irrelevant, weil zu kompliziert. Das dafür notwendige Denken war hierfür anscheinend zu langsam, hinkte hinter den Aktionen her. Es hätte die schrankenlose Flucht nur gehemmt. Das Gefühl während der Flucht war eher das einer starken Erregung, eigenartigerweise jedoch gar nicht unange­nehm. Durch das Laufen und die völlige Voraus-Orientierung aller Sinne, war zum Grübeln, Zweifeln und Sich-Ängstigen einfach keine Zeit.
Nach der Flucht und dem Ende des Bebens löst sich allmäh­lich die Spannung, begleitet durch intensives Reden und Ki­chern, beides eher von expressiver, denn kommunikativer Bedeutung.
Soweit so gut, doch was war dabei eigentlich *Angst*? Noch gar nichts. Die bisher geschilderten Erfahrungen sind eher Bei­spiele für Furcht-und deren Begleitreaktionen. Furcht ist das Gefühl, das die Flucht aus einer eindeutigen Bedrohung beglei­tet. Es gibt keine Entscheidungsprobleme, kein Wenn und Aber. Die Aktion ist bereits in vollem Gange: rennen was das Zeug hält. Die Begleitemotion der Flucht hat auch subjektiv, d.h. als spürbare Empfindung, eine völlig andere Qualität als Angst.
Doch die Geschichte geht weiter: Wir beschließen, lieber eine Zeitlang zum Strand zu gehen, schließlich kommt ein Beben selten allein. Wir nehmen ausreichend Decken mit und warten. Die Stimmung ist plötzlich gereizt, und wir beginnen, über ir­gendein irrelevantes Zeug zu streiten. Meine Frau will gleich zurück nach Europa fliegen -nach dem Motto, daß es in der Luft kein Erdbeben geben kann. Ich schimpfe nicht weniger ge­reizt über diesen „Unfug“.
Schließlich wird uns klar, daß wir die sich aufbauende Erwartungsspannung, die Angst vor dem neuerli­chen Beben, auf diese Weise kanalisieren, abreagieren wollen.
In Gedanken und im Gespräch wird das erlebte Beben gleich­sam wiederholt. Wir erörtern die Möglichkeiten, wie wir uns vor weiteren Beben schützen könnten. Im Radio werden technische Angaben zum Erdbeben durchgegeben: 4,6 auf der Richter­,kala, na ja, Epizentrum bei Malibu, mit weiteren Beben sei zu rechnen. Auch das noch! Am späteren Nachmittag gibt es ein kleineres Nachbeben.
Als es kühl wird, beschließen wir, in die Wohnung zurückzugehen. Wir erwägen verschiedene Mög­lichkeiten der Vorbeugung. Sie reichen von sofortiger Abreise nach Europa (bedingungslose Flucht} bis zu der Idee, daß ein weiteres Beben, wenn es überhaupt kommen sollte, schon nicht mehr so schlimm sein würde (magisches Wunschdenken). Und
außerdem sei das Haus ohnehin so leicht gebaut, daß wir höch­tens ein paar Beulen bekommen würden, wenn es zusammen-fiele (Leugnung und Verdrängung der Gefahr).
Das Kind scheint all diese Eindrücke ohne das geringste Anzeichen der Unruhe vorbeigehen zu lassen. Ich selbst bin in der Rolle des­sen, der die Gefahr herunterspielt, darf also keine Angst haben, höchstens etwas „unwirsch“ und gereizt sein.
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Soweit ein Auszug aus dem oben vorgestellten Buch von Willi Butollo. Vielleicht weckt er Euer Interesse, mehr zu lesen. Das Buch ist preiswert im Antiquariat zu erhalten.

Ganzjährige Termine nach Vereinbarung

Therapeutische Einzelberatung: Mit interessierter Aufmerksamkeit unterstützen wir bei Themen, die bei Ihnen gerade im Vordergrund stehen und Sie möglicherweise an einem entspannteren Leben hindern.
(Therapeut/Therapeutinnen: Alfred Spill (Bensheim), Elke Harder (Karlsruhe), Jacqueline Franz (Speyer), Tanja Duda (Frankfurt/M))
Systemische Einzelberatung: Wir unterstützen Erkenntnis und Veränderung bei schwierigen Themen, die im Zusammenhang mit Beziehungen im familiären oder beruflichen Umfeld stehen.
(Beratung je nach Verfügbarkeit und Thema: Inge Baum (Bensheim), Tanja Duda (Frankfurt/M), Yvonne Kunz (Bensheim))
Therapeutische Paarberatung: Mit respektvoller Neutralität unterstützen wir Sie bei Konflikten in den verschiedenen Phasen Ihrer Beziehung und begleiten Sie bei Veränderungen.
(Therapeut/Therapeutinnen: Alfred Spill (Bensheim), Elke Harder (Karlsruhe), Jacqueline Franz (Speyer), Tanja Duda Frankfurt/M))
Gestalttherapeutische Gruppe: Im vertrauten Miteinander unterstützt die geleitete Gruppe durch gemeinsame gestalttherapeutische Experimente und offenen Erfahrungsaustausch Bewältigung und mögliche Veränderungen der Lebenssituation.
(Gruppenleitung: Alfred Spill und Jacqueline Franz (Bensheim))
(Die Gruppe ist bis zum Juni 2023 ausgebucht. Die neue Gruppe startet im September 2023)
Systemische Aufstellungen: Im vertrauten Miteinander unterstützen wir durch systemische Aufstellungen in einer Gruppe einen offenen Erfahrungsaustausch und mögliche Veränderungen der Lebenssituation. (Leitung je nach Verfügbarkeit: Alfred Spill (Bensheim), Inge Baum (Bensheim), Tanja Duda (Frankfurt), Yvonne Kunz (Bensheim))
Standorte:
Bensheim (Drehpunkt-Leben Institut), Frankfurt, Karlsruhe, Rastatt, Speyer
Unverbindliche Kontaktaufnahme: dr.alfred.spill@gmail.com oder 0171 5666 705…Termine sind kurzfristig verfügbar. Die Abrechnung erfolgt privat mit monatlicher Rechnung zum jeweils vereinbarten Stundensatz. Keine Abrechnung über Krankenkasse.

Programm für Mai 2023 im Drehpunkt-Leben Institut

Alle Kurse finden im Drehpunkt-Leben Institut in Bensheim statt
Auswärtige Kurse sind besonders bezeichnet
01/05/2023
19:30 – 21:45
(23TaD-WJ-06) Die Wölfinnen – die Jahresgruppe – ausgebucht
Leitung Tanja Duda
Der Kurs ist ausgebucht. Anfragen für die alternative Gruppe an Tanja Duda
03/05/2023 – 19/07/2023
19:00 – 20:30
(23AnB-QI-A15) Körper-Geist-Seele in Balance bringen – Qigong für Anfänger
Leitung Annette Burckhardt
In den Kurs kann man noch einsteigen
06/05/2023
17:00 – 20:00
(23IrK-FK-03) Frauenkreis – Raum zum Wandeln – Wilde Weiblichkeit
Leitung Irina Kulhanek
Offen für weitere Anmeldungen
09/05/2023
19:00 – 20:30
(23ASp-AA-103) Achtsamkeitsabend: Stille suchen, Stille finden
Leitung Alfred Spill
Offen für alle Interessierte
15/05/2023
15:00 – 15:45
(23ASp-ES-OF-10) Einzelsprechstunde für jeden offen
Leitung Alfred Spill
Anmeldung spätestens bis 14.5. um 10:00
16/05/2023
19:45 – 21:15
(23YvK-ME-21) Offener Meditationsabend
Leitung Yvonne Kunz
Offen für alle Interessierte
30/05/2023
19:45 – 21:15
(23YvK-ME-22) Offener Meditationsabend
Leitung Yvonne Kunz
Offen für alle Interessierte
Kurs in Niedersachsen
01/06/2023 – 04/06/2023
Mehrtägig
(23YvK-W-01) Weiterbildung zum Glücks-/Resilienzlehrer*in
Leitung Yvonne Kunz
Noch freie Plätze
Danke für das Lesen. Bis bald!
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